zur normalen Ansicht

Bildstrategien > Europa 

 

Europa wählt.....
Europa wählt.....
Wahlplakat der ÖVP für die Nationalratswahl vom 25. November 1945
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung
<>

Der Wiederaufbau von Staat und Demokratie und dessen zukünftige politische Ausrichtung - v.a. auch im Hinblick auf die Frage welche Bedeutung den Kommunisten nach dem 25. November 1945 zukommen sollte - spielte eine wesentliche Frage im ersten österreichischen Nachkriegswahlkampf. Die ÖVP riet den WählerInnen hierbei - verbunden mit einer Warnung vor Kommunismus und Sozialismus - sich am europäischen Vorbild zu orientieren und die ÖVP, "die Mitte", zu wählen.

So heißt es auf ihrem Wahlplakat: "Europa wählt und Europa wählt die Mitte, wählt die einzig mögliche Demokratie, die Demokratie von morgen, die ein neues Europa und eine neue Welt gestalten will, fernab von allen veralteten Parteiprogrammen", was mit einer Auflistung der Wahlergebnisse in Ungarn, Frankreich, England, Luxemburg, Norwegen und Dänemark, belegt wurde - auch wenn die auf dem Plakat als "Mitte" bezeichneten Parteien nicht immer die Mehrheit im Parlament erreichen konnten (Frankreich oder Norwegen) bzw. die als "Mitte" bezeichneten Parteien auch von den Sozialisten vereinnahmt worden wären (Labour).

Dass auch Österreich diesem Beispiel folgen soll, begründete die ÖVP mit dem Wesen des Österreichers: "Gerade Österreich, gerade der österreichische Mensch ist ein Mensch der Mitte und der Mäßigung. Seine Partei kann und wird also nur sein die Österreichische Volkspartei".

Zur Nationalratswahl vom 25. November 1945:

Bei den ersten freien Nationalratswahlen nach dem Ende des austrofaschistischen und nationalsozialistischen Regimes kandidierten mit Zustimmung der Alliierten vier Parteien: ÖVP, SPÖ, KPÖ und die Demokratische Partei Österreichs. Durchgeführt wurden die Wahlen vom 25. November 1945 aufgrund eines eigenen Wahlgesetzes, das ehemalige NationalsozialistInnen oder Mitglieder der NS-Wehrverbände - insgesamt rund 500.000 Personen - vom Wahlrecht ausschloss. Das Wahlergebnis, das vorwiegend von den Frauen bestimmt war - sie stellten mit rund 63% die Mehrheit der WählerInnen - machte die ÖVP zur stimmenstärksten Partei; die KPÖ schnitt deutlich schlechter ab, als sie es erwartet bzw. Teile der österreichischen Bevölkerung und der westlichen Alliierten befürchtet hatten.

Konkret verteilten sich die abgegebenen Stimmen folgendermaßen auf die kandidierenden Parteien: die ÖVP erreichte 1,602.227 oder 49,8% der abgegebenen Stimmen, die SPÖ erreichte 1,434.898 oder 44,6% der abgegebenen Stimmen, die KPÖ 174.257 oder 5,4% der abgegebenen Stimmen, die Demokratische Partei Österreichs 5.972 oder 0,2% der abgegebenen Stimmen.

Den Einzug in den Nationalrat schafften ÖVP (85 Mandate), SPÖ (76 Mandate) und KPÖ (4 Mandate), die eine Konzentrationsregierung bildeten, um die drängenden Probleme - Wiederaufbau von Wirtschaft, Demokratie, Verwaltung - zu lösen. Gleichzeitig bildete die alliierte Besatzung und das Streben um eine staatliche Souveränität ein starkes Motiv für die Zusammenarbeit. Politisch entscheidend war aber auch eine prinzipielle Konsensbereitschaft der Parteieliten, die auf die Entwicklung der Ersten Republik zurückzuführen war. "Nie wieder Bürgerkrieg" war eine Lektion, die von allen gelernt worden war. Ihr Ende fand die Konzentrationsregierung mit dem Ausscheiden des kommunistischen Ministers Karl Altmann im November 1947, worauf SPÖ und ÖVP eine große Koalition bildeten.

© Demokratiezentrum Wien

Demokratiezentrum Wien
Hegelgasse 6 / 5, A - 1010 Wien
Tel.: +43 / 1 / 512 37 37, Fax.: +43 / 1 / 512 37 37-20
office@demokratiezentrum.org