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2 mal Julius Raab
2 mal Julius Raab
Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 13. Mai 1956
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek - Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung

Ein wesentliches Thema im Wahlkampf der SPÖ stellte 1956 der Verweis auf die undemokratische Vergangenheit der ÖVP dar; die Rolle ihrer "Vorläuferpartei", der Christlichsozialen Partei, in der Ersten Republik und im "Ständestaat" dar. Bearbeitet wurde dieses Thema, das in der Wahlwerbung der Partei bis 1970 immer wieder eine Rolle spielte, einerseits als Mahnung ("Nie mehr "`Vaterländische Front!´ Nie mehr KZ Wöllersdorf! Nie mehr Verbotsgesetze! Wähle die Sozialistische Partei"), andererseits wurde der "wahre Charakter" von zentralen Entscheidungsträgern in der ÖVP "offen gelegt", wie auf dem abgebildeten Plakat, das auf die Tätigkeit von Bundeskanzler Julius Raab in der Heimwehr verweist.

Hierzu führt Peter Gerlich in einem Sammelband über Politiker-Biographien folgendes aus: "1927 entsandte der christlichsoziale Bundesparteiobmann, Ignaz Seipel, Raab in die niederösterreichische Heimwehrbewegung. In dieser grundsätzlich antidemokratischen Organisation gab es verschiedene Strömungen - Raab gehörte eher dem gemäßigten, christlichsozialen Flügel an. Ihnen lag der faschistische oder nationalsozialistische Radikalismus nicht. Dennoch machte er mit, als von der Heimwehr 1930 der so genannte Korneuburger Eid, ein Bekenntnis zur Abschaffung der parlamentarischen Demokratie, abgelegt wurde. Nach dem Übergang zum `Ständestaat´ zog er sich aus der Heimwehr zurück und der eigentlichen Politik zurück und widmete sich im Rahmen des Österreichischen Gewerbebundes vor allem der Vertretung der Interessen der Klein- und Mittelunternehmen. Dabei nahm er maßgeblichen Einfluss auf die Gestaltung des Handelskammergesetzes von 1937. Deshalb wurde er 1938, allerdings nur für einige Tage, zum Handelsminister im letzten Kabinett des Bundeskanzlers Kurt Schuschnigg bestellt." (Peter Gerlich, Julius Raab, in: Herbert Dachs u.a. (Hg.): Die Politiker, Wien 1995, S. 470f.)

Zu Julius Raab:

Julius Raab wurde 1891 in St. Pölten (Niederösterreich) geboren. Als gelernter Bauingenieur war er von 1927-34 Abgeordneter zum Nationalrat (Christlichsoziale Partei) und niederösterreichischer Heimwehrführer, 1938 Handels- und Verkehrsminister. Die Kriegsjahre verbrachte Raab als Bauleiter in einer Wiener Baufirma. 1945 war er Mitbegründer und Präsident der Bundeswirtschaftskammer und des Österreichischen Wirtschaftsbundes sowie der Österreichischen Volkspartei, deren Parteiobmann er von 1952-1960 war. Von 1945-1964 war Raab Abgeordneter zum Nationalrat, 1953-1961 Bundeskanzler und 1963 (erfolglos) ÖVP-Kandidat für die Bundespräsidentenwahl. Als Präsident der Bundeswirtschaftskammer (1946-1953 und 1961-1964) gehörte Raab gemeinsam mit Johann Böhm zu den Begründern der Sozialpartnerschaft. Seine Kanzlerschaft war durch eine Zeit enger Zusammenarbeit zwischen ÖVP und SPÖ geprägt; gemeinsam mit Wirtschaftsminister Kamitz war Raab, der die europäische Integrationspolitik förderte (EFTA-Beitritt), für ein Wirtschaftskonzept ("Raab-Kamitz-Kurs") verantwortlich, das unter anderem zur Stabilisierung der österreichischen Währung, zur Vollbeschäftigung und zur Entwicklung des Wohlfahrtsstaats beitrug. Das Ansehen Raabs, oft als Virigina rauchender "Baumeister der Zweiten Republik" dargestellt, erreichte mit dem Abschluss des Staatsvertrags 1955 seinen Höhepunkt.

Quellen: http://www.wienerzeitung.at/linkmap/personen/raab.htm, 14.7.2006
http://www.aeiou.at,14.7.2006, http://www.parlinkom.gv.at, 14.7.2006; Herbert Dachs u.a. (Hg.), Die Politiker. Karrieren und Wirken bedeutender Repräsentanten der Zweiten Republik, Wien 1995.

Zur Nationalratswahl vom 13. Mai 1956:

Bei der Nationalratswahl vom 13. Mai 1956 kandidierten insgesamt zehn Parteien: Ergokratische Partei, Freie Arbeiterpartei Österreichs, Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ), Kommunisten und Linkssozialisten, Österreichische Mittelstandspartei, Österreichische Patriotische Union, Österreichische Volkspartei (ÖVP), Parlamentarische Vertretung der Wahlverhinderten, Partei der Vernunft, Sozialistische Partei Österreichs (SPÖ).

Den Einzug in den Nationalrat schafften ÖVP (1,999.986 oder 46% der abgegebenen Stimmen bzw. 82 Mandate), SPÖ (1,873.295 oder 43% der abgegebenen Stimmen bzw. 74 Mandate), FPÖ, die aus dem Verband der Unabhängigen (VdU/WdU) hervorgegangen war (283.749 oder 6,5% der abgegebenen Stimmen bzw. 6 Mandate), KuL (192.438 oder 4,4% der abgegebenen Stimmen bzw. 6 Mandate).

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