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Wie 1918
Wie 1918
Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 25. November 1945
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung

Im Gegensatz zur ÖVP spielte bei SPÖ und KPÖ die NS-Vergangenheit eine zentrale Rolle im Wahlkampf 1945. Ein von Victor Theodor Slama gestaltetes Sujet präzisiert den Nationalsozialismus, der durch das Hakenkreuz symbolisch dargestellt ist, näher durch "Krieg, Korruption, Massenmord und Arbeiterversklavung". Gezeigt wurden unter der Überschrift "wie 1918" ein Arbeiterpaar, das Österreich gleichsam "aus dem Dreck zieht", in dem ein Hakenkreuz und das Logo der DAF (Deutschen Arbeitsfront) stecken. Erinnert wird hier somit auch an die Rolle der SPÖ bei der Republikgründung 1918, die ? ebenso wie der Kampf gegen den Nationalsozialismus - als identitätsstiftender Erinnerungsort in der Wahlwerbung der Partei aufscheint. Deutlich wird dies auch an der Weiterverwendung des historischen Parteilogos der Drei Pfeile, die als Gegensymbol zum nationalsozialistischen Hackenkreuz - mithilfe der Drei Pfeile sollte das Hackenkreuz rasch durchgestrichen werden können - entstanden sind. Das Thema Wiederaufbau, ein weiteres zentrales Thema in der Wahlwerbung 1945, wurde - wie am Slama-Plakat deutlich wird - als Realität bezogenes Faktum, als harte Praxis vor dem Hintergrund der NS-Trümmerbilanz dargestellt. Die SPÖ orientierte sich somit stark an der politischen und gesellschaftlichen Realität. Positiv definierte Visionen fehlen im Gegensatz zur "klassischen Wahlkampfausrichtung" von Linksparteien und zum Wahlkampf 1949. Im Gegensatz zur ÖVP wird der Wiederaufbau aber auch als solidarische Aktion mit den anderen "freien Völkern" gesehen, womit sich die SPÖ im Wahlkampf 1945 auch eine internationale Ausrichtung gibt.

Zur Nationalratswahl vom 25. November 1945:

Bei den ersten freien Nationalratswahlen nach dem Ende des austrofaschistischen und nationalsozialistischen Regimes kandidierten mit Zustimmung der Alliierten vier Parteien: ÖVP, SPÖ, KPÖ und die Demokratische Partei Österreichs. Durchgeführt wurden die Wahlen vom 25. November 1945 aufgrund eines eigenen Wahlgesetzes, das ehemalige NationalsozialistInnen oder Mitglieder der NS-Wehrverbände - insgesamt rund 500.000 Personen - vom Wahlrecht ausschloss. Das Wahlergebnis, das vorwiegend von den Frauen bestimmt war - sie stellten mit rund 63% die Mehrheit der WählerInnen - machte die ÖVP zur stimmenstärksten Partei; die KPÖ schnitt deutlich schlechter ab, als sie es erwartet bzw. Teile der österreichischen Bevölkerung und der westlichen Alliierten befürchtet hatten.

Konkret verteilten sich die abgegebenen Stimmen folgendermaßen auf die kandidierenden Parteien: die ÖVP erreichte 1,602.227 oder 49,8% der abgegebenen Stimmen, die SPÖ erreichte 1,434.898 oder 44,6% der abgegebenen Stimmen, die KPÖ 174.257 oder 5,4% der abgegebenen Stimmen, die Demokratische Partei Österreichs 5.972 oder 0,2% der abgegebenen Stimmen.

Den Einzug in den Nationalrat schafften ÖVP (85 Mandate), SPÖ (76 Mandate) und KPÖ (4 Mandate), die eine Konzentrationsregierung bildeten, um die drängenden Probleme - Wiederaufbau von Wirtschaft, Demokratie, Verwaltung - zu lösen. Gleichzeitig bildete die alliierte Besatzung und das Streben um eine staatliche Souveränität ein starkes Motiv für die Zusammenarbeit. Politisch entscheidend war aber auch eine prinzipielle Konsensbereitschaft der Parteieliten, die auf die Entwicklung der Ersten Republik zurückzuführen war. "Nie wieder Bürgerkrieg" war eine Lektion, die von allen gelernt worden war. Ihr Ende fand die Konzentrationsregierung mit dem Ausscheiden des kommunistischen Ministers Karl Altmann im November 1947, worauf SPÖ und ÖVP eine große Koalition bildeten.

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