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Zu neuer politischer Qualität
Zu neuer politischer Qualität
Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 7. Oktober 1990
Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Zwei zentrale Themen im Wahlkampf der SPÖ 1990 waren Erneuerung und Qualität, die zum Wahl dominierenden Slogan "Auf zu neuen Qualitäten" verbunden wurden. Kommuniziert wurde der Slogan sowohl für sich alleine stehend (dargestellt mit einem blühenden Baum und dem Portrait Vranitzkys), als auch in einer Reihe von Text-Bildplakaten, die die "neuen Qualitäten" inhaltlich näher erläutern sollten: die neue Umweltqualität, die neue soziale Qualität, die neue Wirtschaftsqualität und die neue politische Qualität.

Näher bestimmt wurde die neue politische Qualität, die sich wie eine Reaktion auf die Kritik der Oppositionsparteien an der Großen Koalition liest, folgendermaßen:
"- Sofortige Reform aller Kammern und Kontrolle durch den Rechnungshof.
- Kein Politiker darf neben seinem Mandat mehr als eine bezahlte Tätigkeit ausüben.
- Überprüfung der Parteien durch die Finanzbehörden.
- Wir bauen Privilegien ab - bisher als einzige Partei.
- Ausbau der Bürger-Mitbestimmung."

Während bei den anderen Plakaten (Umwelt-, Wirtschafts-, soziale Qualität) ein Sujet, das das jeweils angesprochene Thema versinnbildlichen soll (idyllisches Gewässer, junges Paar, Manager Hochhausbüro) verwendet wurde, fungiert zur "Bebilderung" der neuen politischen Qualität der Spitzenkandidat der SPÖ, Franz Vranitzky, selbst. 1990 wurde er - wie ein weiteres Plakat zeigt - auch im Rahmen eines Vorzugsstimmenwahlkampfes speziell beworben.

In symbolischer Hinsicht fällt auf, dass kein Parteilogo der SPÖ verwendet wurde, sondern - und das gilt für alle untersuchten Plakate - folgende Symbolkombination verwendet wurde: die rot-weiß-rote Fahne, der weiße Schriftzug "SPÖ", und die blaue EU-Fahne mit goldenen Sternen.

Zur Nationalratswahl vom 7. Oktober 1990:

Bei der Nationalratswahl vom 7. Oktober 1990 kandidierten folgende Parteien: SPÖ, ÖVP, FPÖ, KPÖ, Die Grüne Alternative - Grüne im Parlament, Vereinte Grüne Österreichs/das Umwelt-Bürgerforum, Verband der Sozialversicherten, Christliche Wähler-Gemeinschaft, Christdemokratische Partei, Wahlplattform der Grauen Österreichs, Fritz Georg. Den Einzug in den Nationalrat schafften vier Parteien: die SPÖ mit 42,8% (2,012.787) der abgegebenen Stimmen bzw. 80 Mandaten, die ÖVP mit 32,1% (1,508.600) der abgegebenen Stimmen bzw. 60 Mandaten, die FPÖ mit 16,6% (782.648) der abgegebenen Stimmen bzw. 33 Mandaten, die GAL mit 4,8 % (225.084) der abgegebenen Stimmen bzw. 10 Mandaten. Der Wahl folgte die Bildung einer SPÖ-ÖVP-Koalitionsregierung.

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