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Keine Klassen - Keine Rassen!
Keine Klassen - Keine Rassen!
Wahlplakat der ÖVP für die Nationalratswahl vom 25. November 1945
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung

Das Vergangenheitsthema (autoritärer "Ständestaat" und Nationalsozialismus) spielte im Plakatwahlkampf der ÖVP 1945 - im Gegensatz zu SPÖ und KPÖ - nur eine untergeordnete Rolle. Vielmehr stand im Wahlkampf der Partei die Zukunft (häufig verbunden mit Friede, Freiheit und einem wirtschaftlichen Aufstieg) im Vordergrund. Ein weiteres Thema, das sich im Wahlkampf 1945 zeigte und die Wahlwerbung der Partei bis 1970 dominieren sollte, war jenes des Antikommunismus bzw. Antisozialismus.

Indem sich die Partei 1945 "gegen Klassen und Rassen" stellte, distanzierte sie sich nicht nur gegen "rechts" und den Nationalsozialismus sondern auch gegen "links" und den Klassenkampf marxistischer Prägung. Sich selbst positionierte die ÖVP als verbindende Partei des Volkes, die ohne Extremismus im Interessen des Landes agiert, in der Mitte. Visualisiert wird das auf dem abgebildeten Plakat durch den Österreich umspannenden (vereinigenden) rot-weiß-roten Bogen.

Die besondere Bedeutung, die die ÖVP der regionalen Identität und dem Föderalismus 1945 (und in den kommenden Jahren) zumaß, wird auf dem Plakat durch die abgebildeten Länderwappen symbolisiert. Besondere Beachtung verdient hierbei der Umstand, dass die ÖVP Südtirol 1945 scheinbar noch zu Österreich rechnete.

Zur Nationalratswahl vom 25. November 1945:

Bei den ersten freien Nationalratswahlen nach dem Ende des austrofaschistischen und nationalsozialistischen Regimes kandidierten mit Zustimmung der Alliierten vier Parteien: ÖVP, SPÖ, KPÖ und die Demokratische Partei Österreichs. Durchgeführt wurden die Wahlen vom 25. November 1945 aufgrund eines eigenen Wahlgesetzes, das ehemalige NationalsozialistInnen oder Mitglieder der NS-Wehrverbände - insgesamt rund 500.000 Personen - vom Wahlrecht ausschloss. Das Wahlergebnis, das vorwiegend von den Frauen bestimmt war - sie stellten mit rund 63% die Mehrheit der WählerInnen - machte die ÖVP zur stimmenstärksten Partei; die KPÖ schnitt deutlich schlechter ab, als sie es erwartet bzw. Teile der österreichischen Bevölkerung und der westlichen Alliierten befürchtet hatten.

Konkret verteilten sich die abgegebenen Stimmen folgendermaßen auf die kandidierenden Parteien: die ÖVP erreichte 1,602.227 oder 49,8% der abgegebenen Stimmen, die SPÖ erreichte 1,434.898 oder 44,6% der abgegebenen Stimmen, die KPÖ 174.257 oder 5,4% der abgegebenen Stimmen, die Demokratische Partei Österreichs 5.972 oder 0,2% der abgegebenen Stimmen.

Den Einzug in den Nationalrat schafften ÖVP (85 Mandate), SPÖ (76 Mandate) und KPÖ (4 Mandate), die eine Konzentrationsregierung bildeten, um die drängenden Probleme - Wiederaufbau von Wirtschaft, Demokratie, Verwaltung - zu lösen. Gleichzeitig bildeten die alliierte Besatzung und das Streben um eine staatliche Souveränität ein starkes Motiv für die Zusammenarbeit. Politisch entscheidend war aber auch eine prinzipielle Konsensbereitschaft der Parteieliten, die auf die Entwicklung der Ersten Republik zurückzuführen war. "Nie wieder Bürgerkrieg" war eine Lektion, die von allen gelernt worden war. Ihr Ende fand die Konzentrationsregierung mit dem Ausscheiden des kommunistischen Ministers Karl Altmann im November 1947, worauf SPÖ und ÖVP eine große Koalition bildeten.

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