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Bildstrategien > Demokratie 

Das Thema Demokratie wurde auf den Wahlplakaten der Parteien in der Zweiten Republik in verschiedener, wenn auch häufig wiederkehrender Art, bearbeitet.

Zu Beginn der Zweiten Republik bis in die 1950er Jahre dominierte bei den "Linksparteien" SPÖ und KPÖ der Hinweis auf die undemokratische Vergangenheit der ÖVP bzw. ihrer Vorläuferpartei, der Christlichsozialen Partei. Während die SPÖ ihre Rolle bei der Staatsgründung 1918 und damit ihren Anteil am Aufbau der Demokratie in Österreich nach 1918 betonte, wies sie (aber auch die KPÖ) gleichzeitig auf die Rolle der Christlichsozialen im Bürgerkrieg 1934 und im autoritären "Ständestaat" hin. Offenbart wurde in diesem Zusammenhang auch das "undemokratische Vorleben" einzelner Politiker der ÖVP, wie etwa die Heimwehr-Vergangenheit von Bundeskanzler Raab im Wahlkampf 1956.

Das Thema Nationalsozialismus wurde auf den Wahlplakaten der Parteien in den ersten Nachkriegswahlgängen zwar aufgegriffen, aber nur selten in einen expliziten Zusammenhang mit der Demokratieentwicklung gestellt. In diesem Zusammenhang dominierte vielmehr der Hinweis auf die Vergangenheit vor 1938. Eine Ausnahme stellt in diesem Zusammenhang jedoch ein Plakat der KPÖ aus dem Jahr 1945 dar, auf dem sie eine konsequente Entnazifizierung zur Bedingung für eine funktionierende Demokratie machte.

Die ÖVP setzte demgegenüber beim Demokratie-Aufbau 1945 auf ein harmonisches Zusammenleben "ohne Klassen und Rassen" und machte somit indirekt den Klassenkampf der Arbeiterparteien für die Entwicklung hin zu Faschismus und Krieg verantwortlich. In die Zukunft blickend bedeutete dies für die ÖVP v.a. eine Abwehr des Kommunismus, die bis zum Wahlkampf 1970 das zentrale Wahlkampfthema der Partei war. Attestiert wurde dabei der SPÖ immer wieder, dass sie – fernab jeglicher politischer Realität – "Hand in Hand" mit der KPÖ Österreich zum Kommunismus führe werde und Österreich die Gefahr drohe, in eine Volksdemokratie verwandelt zu werden. Anzumerken ist dabei, dass die WählerInnen in diesem Zusammenhang auch mehrfach davor gewarnt wurden, ihre Stimme dem 1949 gegründeten VdU bzw. seiner Nachfolgepartei, der FPÖ (oder einer sonstigen Kleinpartei) zu geben, da nur die Wahl der ÖVP Sicherheit vor dem Kommunismus garantiere. 1949 wurde jede vierte Partei sogar als "Dolchstoß für Österreich" bezeichnet.

Verbunden mit dem Hinweis auf die "antidemokratische Vergangenheit der ÖVP" war seitens der SPÖ zudem der immer wieder kehrende Vorwurf, dass die ÖVP nach der "Alleinherrschaft" strebe und dies – wie die Vergangenheit gezeigt habe – für die Demokratie in Österreich nichts Gutes bedeuten würde. Insgesamt war das Bürgerkriegstrauma auf Seiten der SPÖ stark ausgeprägt. Bruno Kreisky befürchtete etwa noch 1996 im Zusammenhang mit der Bildung der ersten Alleinregierung unter ÖVP-Bundeskanzler Josef Klaus politische Unruhen und das Aufbrechen alter Gegensätze, wenn es zu keiner neuerlichen Zusammenarbeit von SPÖ und ÖVP kommen würde. Die Erhaltung des "Gleichgewichts" – 1959 etwa dargestellt durch ein Staatsschiff, das zu kentern droht, wenn die ÖVP zu viel Macht erhält – wurde somit immer wieder zum Wahlkampfthema gemacht. Aber auch von der ÖVP wurde plakatiert, dass die SPÖ nicht zuviel Macht erhalten dürfe, da ansonsten die "sozialistische Herrschaft" beginnen würde. Insgesamt war das Vertrauen der beiden Koalitionsparteien in ihre demokratische Gesinnung bis weit herauf in die Zweite Republik nur schwach ausgeprägt. Mit dem Jahr 1970 lässt sich dann insofern eine Zäsur in den Wahlkämpfen der Parteien feststellen, als nun der Kommunismus-Vorwurf aus dem Wahlkampfrepertoire der ÖVP verschwand – ein letztes mal war diese Taktik erfolglos bei den Nationalratswahlen vom 1. März 1970 angewandt worden – und die SPÖ in den kommenden Wahlkämpfen nicht mehr auf das "Ständestaat"-Thema setzte. Das Thema Machtbeschneidung blieb – v.a. in den 1970er Jahren, als die SPÖ mit satten Mehrheiten allein regierte – jedoch auf der Tagesordnung. Verbunden damit war nun aber der Hinweis, dass einer Demokratie eine zu große Machtfülle bei einer einzigen Partei nicht gut tue sowie der Hinweis auf die Privilegienwirtschaft der SPÖ.

Damit griff die ÖVP nun ähnliche Themen auf, wie es die FPÖ bereits in früheren Jahren getan hatte. Im Zentrum ihrer Wahlwerbung war seit jeher die Kritik an der Regierung und den Auswüchsen des Proporz gestanden, wobei sie mit dem Hinweis auf die Bedeutung der Opposition in der Demokratie und die durch sie geübte Kontrolle – 1975 etwa mit dem Wahlslogan "Zur Demokratie gehören Drei" – ihre "Existenznotwendigkeit" auch demokratiepolitisch begründete. Als mit den Grünen und dem LIF in den 1980er und 1990er Jahren neue Parteien in den Nationalratrat einzogen, wurde die Kritik an der Regierung und der neu gebildeten Großen Koalition zu einem fixen Thema in ihren Wahlkämpfen. Griffen die Regierungsparteien – wie etwa im Wahlkampf 1990 – die Demokratie bzw. die Qualität der österreichischen Demokratie auf, war dies nicht zuletzt auch die Reaktion auf die Kritik der Opposition.

In gestalterischer Hinsicht wurde während der gesamten Zweiten Republik von allen Parteien – Ausnahmen bilden hier lediglich die Grünen und später auch das LIF – gerne auf die Abbildung eines Stimmzettels zurückgegriffen. Verbunden damit war immer der Hinweis, bei welcher Partei die WählerInnen ihr Wahlkreuz zu machen haben, wobei nicht selten der Eindruck einsteht, dass die Parteien die WählerInnen nicht als mündige BürgerInnen sahen, sondern diese vielmehr – wie es etwa die ÖVP im Wahlkampf 1953 mit erhobenem Zeigefinger tat – als "BefehlsempfängerInnen" behandelten.

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