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Arbeitsplätze erhalten - neue schaffen
Arbeitsplätze erhalten - neue schaffen
Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 6. Mai 1979
Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Ab Ende der 1970-er Jahre entwickelte sich das Thema Arbeitsplatzsicherung angesichts der sich verschlechternden internationalen Wirtschaftslage immer stärker zu einem Hauptthema in der Wahlkampfkommunikation. Seit Beginn der 1960-er Jahre hatte es Vollbeschäftigung gegeben. Um diesen Status zu erhalten, verfolgte die SPÖ-Alleinregierung eine Vollbeschäftigungspolitik mit starker Investitionstätigkeit des Staates zu Lasten der Staatsverschuldung ("deficit spending"). Diesen so genannten Austro-Keynesiansimus rechtfertigte Kreisky eingedenk seiner Erlebnisse im Zuge der Weltwirtschaftskrise des Jahres 1929 und deren furchtbaren sozialen und politischen Folgewirkungen. Bekannt geworden ist in diesem Zusammenhang Kreiskys Aussage, wonach ihm "ein paar Milliarden Schulden weniger schlaflose Nächte als ein paar Hunderttausend Arbeitslose" bereiten würden.

Diesen Kurs der Vollbeschäftigungspolitik propagierte die SPÖ im Wahlkampf 1979. In der Plakatgestaltung wurde diese Maxime der Arbeitsmarktpolitik wie folgt optisch umgesetzt: Eine Frau im weißen Arbeitskittel vertraut dem Versprechen "Arbeitsplätze erhalten ? neue schaffen" und folgt Kanzler Kreisky auf dem "österreichischen Weg in die 80er Jahre.? Ihr zufriedenes Lächeln zeigt, dass es ihr und damit gleichzeitig den ÖsterreicherInnen bei einer Fortsetzung des "österreichischen Weges" gut geht. Die Frau ist somit eine Zeugin für die soziale Gerechtigkeit und soziale Kompetenz der SPÖ. In kommunikativer Hinsicht verfolgt die SPÖ die Absicht, potentielle WählerInnen zu überzeugen, wobei sich die SPÖ als betont Österreich bezogene, optimistisch-tatkräftige Partei darstellt, die für die Kontinuität des politischen Kurses und soziale Gerechtigkeit eintritt.

Die Formel des "österreichischen Wegs" der Regierung unter Kreisky war in den späten 1970-er Jahren zu einem Synonym für die Modernisierung Österreichs geworden. Der Slogan "Der österreichische Weg in die 80er Jahre" verweist somit darauf, dass die Errungenschaften der SPÖ-Alleinregierungen in den 1980-er Jahren weitergeführt werden sollen.

Die SPÖ kommuniziert in diesem Zusammenhang die Themenkreise Zukunft und Sicherheit im Sinne sozialer Sicherheit. Sie präsentiert sich als staatstragende Regierungspartei, die die potentiellen WählerInnen einlädt, sie auf bewährte Weise in die 1980-er Jahre zu führen.

Der betonte Österreichbezug zeigte sich nicht nur in Slogans ("Der österreichische Weg"), sondern wurde visuell auch im neuen Parteilogo umgesetzt: Mit dem neuen Parteiprogramm 1978 wurde beschlossen, als Zeichen der Erneuerung das Parteilogo optisch umzugestalten. Die rot-weiß-rote Wellenbewegung, mit einem weißen, in die Länge gezogenen "S", als Kürzel für SPÖ, weist von links unten nach rechts oben in Richtung Zukunft. Das Logo wurde quasi zum Gütesiegel für die Regierung Kreisky, für den "österreichischen Weg". Es unterstreicht die staatstragende Komponente der SPÖ für Österreich und symbolisiert eine starke Identifikation der SPÖ mit dem Land (vgl. hierzu die Kategorie Österreich).

Zur Nationalratswahl vom 6. Mai 1979:

Bei der Nationalratswahl vom 6. Mai 1979 kandidierten insgesamt fünf Parteien: SPÖ, ÖVP, FPÖ, KPÖ und die Christlich-Soziale-Arbeitsgemeinschaft.

Den Einzug in den Nationalrat schafften SPÖ, ÖVP und FPÖ, wobei die SPÖ ihre absolute Stimmen- und Mandatsmehrheit erfolgreich verteidigen bzw. diese sogar noch ausbauen konnte. Kreisky konnte bei der Nationalratswahl 1979 das beste Wahlergebnis seiner 13-jährigen Amtszeit als österreichischer Bundeskanzler erzielen.

Die einzelnen Parteien erreichten folgendes Ergebnis: SPÖ: 2,413.226 bzw. 51% der abgegebenen Stimmen (95 Mandate), ÖVP: 1,981.739 bzw. 41,9% der abgegebenen Stimmen (77 Mandate), FPÖ: 286.743 bzw. 6,1% der abgegebenen Stimmen (11 Mandate).

Literatur: Seiter, Josef, Vom Arbeiterwappen zur Sternenkrone Europas. Visuelle Symbolik und Emblematik der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung, in: Leser, Norbert / Wagner, Manfred (Hg.), Österreichs politische Symbole. Historisch. Ästhetische und ideologiekritisch beleuchtet, Wien/Köln/Weimar 1994, 127-146; Seiter, Josef, Visuelle Symbole und Embleme der österreichischen Sozialdemokratie (Dokumentation 2/1991 des Vereins für Geschichte der Arbeiterbewegung), Wien 1991.

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