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SPÖ Skandal Nr. 1
SPÖ Skandal Nr. 1
Wahlplakat der ÖVP für die Nationalratswahl vom 5. Oktober 1975
Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Eine Plakatserie der ÖVP für den Nationalratswahlkampf 1975 bestand aus der Werbung für eine "bessere, neue Zukunft ohne Skandale." Die damalige Oppositionspartei ÖVP affichierte eine dreiteilige Serie von "SPÖ-Skandalen": "SPÖ-Skandal Nr. 1. Diese Regierung kann nicht mehr die Arbeitsplätze für die Lehrlinge sichern", "SPÖ-Skandal Nr. 2. Wegen dieser Regierung muss sogar das Geld für die Renten ausgeborgt werden", "SPÖ-Skandal Nr. 3. Weil diese Regierung unser Geld verschwendet, sollen wir noch mehr Steuern zahlen. Die ÖVP muß wieder her".

Die Aussage der Plakate bedient sich einem augenscheinlichen Gut-Böse-Schema, wonach aufgrund der Politik der SPÖ Österreich in eine schlechte, "skandalöse" Lage gekommen sei und daher eine Rückkehr der ÖVP in die Regierung von Nöten sei. Dieser feindliche Gegensatz wird durch die unterschiedlichen Farbkontraste hervorgehoben: Schwarze Schrift auf dunkelgelben Hintergrund hat eine hohe Kontrastwirkung und sticht sofort ins Auge. Der Weiß-Rot-Kontrast ist ebenso einprägsam und in den Farben der österreichischen Flagge gehalten. Damit stellt sich die ÖVP (inklusive des Logos mit dem rot-weiß-roten V) als "patriotische Kraft" dar. 1975 zeigte die ÖVP zudem auf ihren Plakaten einen schräg nach rechts oben gerichteten rot-weiß-roten Pfeil, der den Aufschwung Österreichs mit der ÖVP versinnbildlichen sollte.

Der Hintergrund für diese aggressive Plakatinie ist, dass die ÖVP eine neuerliche absolute Mehrheit und damit eine erneute Alleinregierung der SPÖ verhindern wollte. Generell ist der Stil der Wahlkampfkommunikation bei Oppositionsparteien härter: Durch die Kritik an den Regierungsparteien müssen sie ihr eigenes Profil schärfen. Parteien in Opposition versuchen, ihren Kurs als bessere Alternative zur Arbeit der Regierungsparteie(n) darzustellen. Regierungsparteien hingegen können staatstragend auf Erreichtes verweisen und die Regierungsarbeit positiv darstellen.

Zur Nationalratswahl vom 5. Oktober 1975:

Bei der Nationalratswahl vom 5. Oktober 1975 kandidierten folgende Parteien: SPÖ, ÖVP, FPÖ, KPÖ, Liste Steinacher Franz, Gruppe Revolutionäre Marxisten.

Den Einzug in den Nationalrat schafften SPÖ, ÖVP und FPÖ, wobei die SPÖ 2,326.201 bzw. 50,4% der abgegebenen Stimmen (93 Mandate), die ÖVP 1,981.291 bzw. 42,9% der abgegebenen Stimmen (80 Mandate) und die FPÖ 249.444 bzw. 5,4% der abgegebenen Stimmen (10 Mandate) erreichte.

Im Vergleich zur vorhergehenden Wahl blieb das Machtverhältnis im österreichischen Nationalrat somit unverändert; die SPÖ besaß unverändert mit 93 Mandaten die absolute Mehrheit im österreichischen Nationalrat. Maßgeblich für ihr positives Wahlergebnis war die 1971 fortgesetzte Reformpolitik Kreiskys.

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