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Arbeit für alle
Arbeit für alle
Wahlplakat der Volksopposition für die Nationalratswahl vom 22. Februar 1953
Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Die Kommunisten traten gemeinsam mit der Demokratische Union von Josef Dobretsberger und den Linkssozialisten bei der Nationalratswahl vom 22. Februar 1953 unter dem Namen "Wahlgemeinschaft Österreichische Volksopposition" an. Das oben stehende Plakat ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie das Thema Arbeit ohne Bildelemente den potentiellen WählerInnen näher gebracht werden sollte:

Die Hauptaussage - "Wer will, dass es Vollbeschäftigung gibt, muss die Volksopposition wählen" - sticht den BetrachterInnen auf Grund der größeren linksbündigen Schrift auf dem ersten Blick ins Auge. Die Plakatgestaltung erfolgt über verschiedene Zeithorizonte in einer Dreiteilung von Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft: Im ersten Absatz wird die Vergangenheit geschildert. Zugleich attestiert die Volksopposition der SPÖ und ÖVP mangelnde Kompetenz in Sachen Arbeitsplatzschaffung. Im zweiten Absatz erklärt die Volksopposition, was an der gegenwärtigen Situation geändert werden muss, um eine Vollbeschäftigung zu erreichen. Ebenso wird in Absatz drei angefügt, was es nicht mehr geben darf, damit "Arbeit für alle" in der Zukunft realisierbar ist und gleichzeitig betont, dass jene, die das, d.h. eine bessere Zukunft und "Arbeit für alle" wollen, die Volksopposition wählen müssen. Begründet wird dies damit, dass die ÖVP-SPÖ-Koalition in der Vergangenheit versagt habe und nur die Volksopposition den Weg in eine bessere Zukunft bzw. die Mittel hierzu kenne. Während die politische Konkurrenz abgewertet wird, wird die eigene Partei aufgewertet.

Für die Gesetzmäßigkeiten der Plakatgestaltung im Zeitalter von Fernsehen und Internet ist dieses Plakats zu textlastig: Ein Wahlkampfplakat erhält heute im Durchschnitt vier bis acht Sekunden Aufmerksamkeit von PassantInnen. Der Einsatz von Bildern oder grafischen Elementen auf Plakaten ist heute somit effizienter als ein reines Textplakat - benötigt das menschliche Gehirn doch nur zwei Sekunden, um ein Bild so aufzunehmen, dass es wieder erkannt wird.

Zur Nationalratswahl vom 22. Februar 1953:

Bei der Nationalratswahl vom 22. Februar 1953 kandidierten elf Parteien: ÖVP, SPÖ, Bund Österreichischer Monarchisten, Christlichdemokratische Partei (Krscanska demokratska stranka), Christlichsoziale Partei und Parteifreie Persönlichkeiten, Österreichische National-Republikaner und Parteilose, Österreichische Patriotische Union, Überparteiliche Einigung der Mitte, Wahlgemeinschaft parteiloser Persönlichkeiten, Wahlgemeinschaft Österreichische Volksopposition, Wahlpartei der Unabhängigen.

Den Einzug in den Nationalrat schafften ÖVP (1,781.777 Stimmen oder 41,3% der abgegebenen Stimmen bzw. 74 Mandate), SPÖ (1,818.517 Stimmen oder 42,1% der abgegebenen Stimme bzw. 73 Mandate), die Wahlgemeinschaft Österreichische Volksopposition, die Nachfolgerin des Linksblocks bestehend aus KPÖ und Linkssozialisten (228.159 oder 5,3% der abgegebenen Stimmen bzw. 4 Mandate) und die Wahlpartei der Unabhängigen (472.866 Stimmen oder 10,9% der abgegebenen Stimmen bzw. 14 Mandate). Stimmenstärkste Partei wurde die SPÖ, die aufgrund des bestehenden Wahlrechts jedoch ein Mandat weniger als die ÖVP erlangte.

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