zur normalen Ansicht

Bildstrategien > Arbeit 

 

Der richtige Weg für Österreich
Der richtige Weg für Österreich
Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 3. Oktober 1999
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung

Die SPÖ stellte im Wahlkampf 1999 dem "richtigen" einen "falschen" Weg für Österreich bzw. "ins 21. Jahrhundert" gegenüber, wobei durch den Einsatz der Farben Rot und Schwarz visualisiert wurde, wer für welchen Weg steht. Während der "richtige Weg für Österreich" rot kommuniziert wurde, wurde der "falsche Weg für Österreich" auf schwarz dominierten Plakaten dargestellt. D.h. der "richtige Weg für Österreich" wurde mittels ihrer traditionellen Parteifarbe eindeutig der SPÖ zugeschrieben, während der "falsche Weg für Österreich" durch den Einsatz der Farbe Schwarz, mit der klassischerweise Negatives verbunden wird, die aber auch die "Parteifarbe" der ÖVP darstellt, mit der ÖVP assoziiert wurde.

Inhaltlich näher definiert wurden der "richtige bzw. der "falsche Weg" für Österreich durch die Schaffung von Arbeitsplätzen - einem zentralen Wahlkampfthema 1999 - einen vermeintlichen Beitritt zur NATO oder die Person des Bundeskanzlers.

Während die zentralen Wahlkampfslogans 1999 somit durch einen expliziten Österreich-Bezug geprägt waren, verschwand andererseits sowohl der Österreich- als auch der EU-Bezug aus dem Logo der SPÖ. Bestimmt war dieses nun ausschließlich von der Farbe Rot, womit auf visueller Ebene eine "Rückkehr zu traditionellen Werten" symbolisiert wurde. Diese kann als Ausgleich zur Politik des "dritten Weges" und der "neuen Mitte" in Richtung Neoliberalismus gesehen werden kann, die in Europa von den Sozialdemokraten Tony Blair in Großbritannien und Gerhard Schröder in Deutschland vertreten wurde, mit denen sich der österreichische Bundeskanzler Viktor Klima - angesichts deren Wahlerfolge Ende der 1990-er Jahre - gerne öffentlichkeitswirksam abbilden ließ. Deutlich wird diese Rückkehr zu einer stärkeren verwendung der farbe Rot auch im neuen Pareilog der SPÖ, das nun aus einem roten Quadrat mit weißem Schriftzug "SPÖ" besteht und auch bei den Nationalratswahlen 2002 unverändert plakatiert wurde. Der Europa-Bezug, der im früheren Logo vorhanden war, fehlt nun.

Zur Nationalratswahl vom 3. Oktober 1999:

Bei der Nationalratswahl vom 3. Oktober 1999 kandidierten insgesamt neun Parteien (SPÖ, ÖVP, FPÖ, LIF, Die Grünen, KPÖ, DU (Die Unabhängigen - Liste Lugner), NEIN (Nein zu NATO und EU Neutrales Österreich Bürgerinitiative) und CWG (Christliche Wählergemeinschaft). Hiervon schafften folgende Parteien den Einzug in den Nationalrat: SPÖ: 33,2% (1,532.448) der abgegebenen Stimmen oder 65 Mandate, ÖVP: 26,9% (1,243.672) der abgegebenen Stimmen oder 52 Mandate, FPÖ: 26,9% (1,244.087) der abgegebenen Stimmen oder 52 Mandate, Die Grünen: 7,4% (342.260) der abgegebenen Stimmen oder 14 Mandate. Das LIF schaffte 1999 mit 3,65% (168.612) der abgegebenen Stimmen den Einzug in den Nationalrat nicht mehr, ebenso gelang es der erstmals kandidierenden DU (Die Unabhängigen - Liste Lugner) nicht, ins österreichische Parlament einzuziehen.

Den Wahlen folgte die Bildung einer ÖVP-FPÖ-Koalitionsregierung unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, der noch im Wahlkampf angekündigt hatte, bei einem Abrutschen auf den dritten Platz in Opposition zu gehen. Nach den Wahlen wurde zunächst Viktor Klima als Vorsitzender der stimmenstärksten Partei, der SPÖ, beauftragt, Sondierungs- bzw. Koalitionsgespräche zu führen. Die Gespräche zwischen SPÖ und ÖVP scheiterten jedoch aus verschiedenen Gründen (Gerüchte über Parallel-Verhandlungen zwischen ÖVP und FPÖ, Widerstände der SP-Gewerkschaften, die Forderung der ÖVP nach Übernahme des Finanzressorts, wogegen sich die SPÖ wehrte, etc.), worauf FPÖ und ÖVP beschlossen - ohne Auftrag des Bundespräsidenten - Verhandlungen über eine Regierungsbildung aufzunehmen, die zu einem positiven Ergebnis führten. Innerhalb der Europäischen Union wurde dies deutlich kritisch rezipiert und führte zu den so genannten "Sanktionen" der EU-14. Nicht zuletzt deswegen, da Klima inzwischen ein zweites Mal mit der Bildung einer Regierung gescheitert war, gelobte Bundespräsident Klestil am 4. Februar 2002 die erste ÖVP-FPÖ-Regierung an.

© Demokratiezentrum Wien

Demokratiezentrum Wien
Hegelgasse 6 / 5, A - 1010 Wien
Tel.: +43 / 1 / 512 37 37, Fax.: +43 / 1 / 512 37 37-20
office@demokratiezentrum.org