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Fairteilen von Arbeit, Zeit und Geld
Fairteilen von Arbeit, Zeit und Geld
Wahlplakat der Grünen für die Nationalratswahl vom 3. Oktober 1999
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung

Die Grünen bearbeiteten im Wahlkampf 1999 vor allem die Themen Zukunft, Opposition und Engagement. Sie titulierten sich als "die erfolgreichen Opposition? und symbolisierten mit dem Symbol des Fluchtweganzeigers (Exit-Symbol) einen Ausweg aus dem aktuellen politischen Kurs der SPÖ-ÖVP-Regierung. Die Plakatgestaltung, vor allem aber das Exit-Symbol, sollte den Grünen das Image von Fortschritt, Dynamik und Veränderung zuschreiben.

Das abgebildete Plakat besteht quasi aus zwei Plakaten ineinander. Auf dem äußeren grünen Plakat läuft ein weißes Strichmännchen vor Flammen davon. Ein Pfeil zeigt ihm den Ausweg in Richtung inneres weißes Plakat mit der eigentlichen Botschaft: "Raus aus der Ungerechtigkeit. Fairteilen von Arbeit, Zeit&Geld."

Das Strichmännchen oder Exit-Symbol zeigt in öffentlichen Gebäuden üblicher Weise einen Fluchtweg an. Im Kontext des Grünen-Plakats weist es auf einen Ausweg aus der aktuellen arbeitsmarktpolitischen Lage hin ("Raus aus der Ungerechtigkeit. Fairteilen von Arbeit, Zeit&Geld.") Das Wort "Fairteilen" kann auf zweierlei Art gelesen werden: Zum einen bedeutet es phonetisch "verteilen" und artikuliert so den von den Grünen formulierten Anspruch eines solidarischen Aufteilens der verfügbaren Ressourcen Arbeit, Zeit und Geld. Diese Aufteilung soll allerdings nicht willkürlich, sondern gerecht - "fair" - erfolgen. Dies ist die zweite textuale Botschaft, die das Wort verkörpert. Dieses "Fairteilen" bedeutet nicht nur eine neue Art der Aufteilung von Arbeit zwischen Beschäftigten und Arbeitslosen, sondern auch zwischen Mann und Frau. Gleichzeitig forderte die Partei eine Abkehr von der bestehenden Einteilung zwischen Ausbildungszeit, Erwerbsleben und Pension hin zu einer alternativen Beschäftigungspolitik, die einen fließenden Wechsel zwischen diesen Lebensabschnitten ermöglicht.

Unter dem Slogan sieht man ein Bild Alexander Van der Bellens, der "kompetent und engagiert" - so der zentrale Slogan der Grünen im Wahlkampf 1999 - dafür eintreten will, dass das Ziel "Fairteilen von Arbeit, Zeit&Geld" realisiert wird.

Der grüne Hintergrund stellt die Verbindung zur Partei dar: Die Parteifarbe der Grünen ist ja gleichzeitig die Parteibezeichnung und somit ein Symbol für die Grünen. Am unteren Plakatende sieht man die www-Adresse der Grünen wie das Parteilogo mit der Textzeile "?Die erfolgreiche Opposition." Das Parteilogo, ein Pfeil in G-Form, wird seit 1994 verwendet.

Zur Nationalratswahl vom 3. Oktober 1999:

Bei der Nationalratswahl vom 3. Oktober 1999 kandidierten insgesamt neun Parteien (SPÖ, ÖVP, FPÖ, LIF, Die Grünen, KPÖ, DU (Die Unabhängigen - Liste Lugner), NEIN (Nein zu NATO und EU Neutrales Österreich Bürgerinitiative) und CWG (Christliche Wählergemeinschaft). Hiervon schafften folgende Parteien den Einzug in den Nationalrat: SPÖ: 33,2% (1,532.448) der abgegebenen Stimmen oder 65 Mandate, ÖVP: 26,9% (1,243.672) der abgegebenen Stimmen oder 52 Mandate, FPÖ: 26,9% (1,244.087) der abgegebenen Stimmen oder 52 Mandate, Die Grünen: 7,4% (342.260) der abgegebenen Stimmen oder 14 Mandate. Das LIF schaffte 1999 mit 3,65% (168.612) der abgegebenen Stimmen den Einzug in den Nationalrat nicht mehr, ebenso gelang es der erstmals kandidierenden DU (Die Unabhängigen - Liste Lugner) nicht, ins österreichische Parlament einzuziehen.

Den Wahlen folgte die Bildung einer ÖVP-FPÖ-Koalitionsregierung unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, der noch im Wahlkampf angekündigt hatte, bei einem Abrutschen auf den dritten Platz in Opposition zu gehen. Nach den Wahlen wurde zunächst Viktor Klima als Vorsitzender der stimmenstärksten Partei, der SPÖ, beauftragt, Sondierungs- bzw. Koalitionsgespräche zu führen. Die Gespräche zwischen SPÖ und ÖVP scheiterten jedoch aus verschiedenen Gründen (Gerüchte über Parallel-Verhandlungen zwischen ÖVP und FPÖ, Widerstände der SP-Gewerkschaften, die Forderung der ÖVP nach Übernahme des Finanzressorts, wogegen sich die SPÖ wehrte, etc.), worauf FPÖ und ÖVP beschlossen - ohne Auftrag des Bundespräsidenten - Verhandlungen über eine Regierungsbildung aufzunehmen, die zu einem positiven Ergebnis führten. Innerhalb der Europäischen Union wurde dies deutlich kritisch rezipiert und führte zu den so genannten "Sanktionen" der EU-14. Nicht zuletzt deswegen, da Klima inzwischen ein zweites Mal mit der Bildung einer Regierung gescheitert war, gelobte Bundespräsident Klestil am 4. Februar 2002 die erste ÖVP-FPÖ-Regierung an.

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