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Wir tun alles für die Arbeitsplätze
Wir tun alles für die Arbeitsplätze
Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 24. April 1983
Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Angesichts steigender Arbeitslosenzahlen nach Jahren der Vollbeschäftigung standen Anfang der 1980-er Jahre die Themen Arbeit und Arbeitsplatzsicherung im Fokus der SPÖ-Plakatkommunikation.

Der massive Einsatz der "Nationalfarben" Rot-Weiß-Rot verdeutlicht den bereits im Nationalratswahlkampf von 1979 festgestellten verstärkten Österreichbezug. Die Nationalflagge im Plakathintergrund und das ebenfalls "patriotisch aufgeladene" Parteilogo dominieren das Wahlplakat. Sie geben dem Plakat eine klare Aussage: Die Identifikation der SPÖ mit Österreich, mit dem Staat.

Der Slogan "Wir tun alles für die Arbeitsplätze" dient als Zusicherung, die Sorgen der ÖsterreicherInnen angesichts der steigenden Arbeitslosenzahlen ernst zu nehmen und zu handeln: Die Regierungspartei SPÖ verspricht, sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür einzusetzen, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben.

Der Hintergrund für die starke Thematisierung der Arbeitsplatzsicherung im Wahlkampf 1983 ist einerseits eine sich verschlechternde wirtschaftspolitische Lage, deutlicher werdende Strukturschwächen in der österreichischen Wirtschaft (v.a. im Bereich der Verstaatlichen Industrie) als auch daraus resultierend steigende Arbeitslosenzahlen. Aber auch Veränderungen in der politischen Lage Europas, wo nach den sozialdemokratisch geprägten siebziger Jahren Regierungswechsel zugunsten konservativer Parteien stattgefunden haben, sind in für die Wahlkampfpolitik der SPÖ zu Beginn der 1980-er Jahre von Bedeutung. So folgte in der Bundesrepublik Deutschland der CDU-Politiker Helmut Kohl dem SPD-Kanzler Willy Brandt nach; in Großbritannien kam es unter der neuen konservativen Premierministerin Margaret Thatcher und in den USA unter Ronald Reagan zu einem Kurswechsel in der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik verbunden mit einem Durchbruch neoliberaler Politikkonzepte.

Erklärtes Wahlkampfziel der SPÖ musste es somit 1983 sein, diese internationale Trendumkehr zu stoppen und die politische Macht - besonders auch mit einem Verweis auf den Abbau des Sozialstaates unter konservativen Regierungen - zu sichern. Dies war zu Beginn der 1980-er Jahre jedoch kein leichtes Unterfangen - dominierten doch Politikskandale wie Ungereimtheiten in der Finanzierung beim Bau des Wiener Allgemeinen Krankenhauses (AKH-Skandal) oder die Auseinandersetzungen zwischen Bruno Kreisky und seinem ehemaligen "Kronprinzen" Finanzminister Hannes Androsch die öffentliche Diskussion.

Zur Nationalratswahl vom 24. April 1983:

Bei der Nationalratswahl vom 24. April 1983 kandidierten folgende Parteien: SPÖ, ÖVP, FPÖ, KPÖ, Vereinte Grüne Österreichs - Liste Tollmann, Alternative Liste Österreich, Österreich-Partei und Ausländer-Halt-Bewegung.

Den Einzug in den Nationalrat schafften SPÖ, ÖVP und FPÖ. Die SPÖ erreichte 2,312.529 bzw. 47,6% der abgegebenen Stimmen (90 Mandate), die ÖVP erreichte 2,097.808 bzw. 43,2% der abgegebenen Stimmen (81 Mandate), die FPÖ 241.789 bzw. 5% der abgegebenen Stimmen (12 Mandate).

Mit diesem Ergebnis verlor die SPÖ ihre absolute Mehrheit an Stimmen und Mandaten. Bundeskanzler Kreisky zog sich aus der Politik zurück und machte Fred Sinowatz zu seinem Nachfolger, der eine kleine Koalition mit der FPÖ bildete. Später folgte Sinowatz Kreisky auch an die Spitze der Partei nach. Maßgeblich für das schlechte Abschneiden der SPÖ 1983 waren eine Reihe von Skandalen, die auch in den Medien breit behandelt worden waren (AKH-Skandal, Androsch-Kreisky-Konflikt, Noricum, Lucona etc.) sowie das zunehmend negativer werdende Image der SPÖ - stand die SPÖ Anfang der 1970-er Jahre für Modernität, Veränderung, Dynamik und Schwung, war ihr Image gegen Ende des Jahrzehnts immer stärker von negativen Komponenten wie Privilegienwirtschaft und Korruption (siehe Club 45), Misswirtschaft (siehe Verstaatlichte Industrie), Abgehobenheit (siehe Mallorca-Fraktion) und Verkrustetheit bestimmt

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