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Für Experimente ist unser Österreich zu kostbar.

Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 17. Dezember 1995

Die SPÖ bestritt ihren Wahlkampf 1995 insbesondere mit sozialen Themen. Zentral wurde das Thema Pensionen/Renten, Frauenrechte und Gesundheitsvorsorge, wobei Bundeskanzler Vranitzky auf den Wahlplakaten der SPÖ als Garant für die Erfüllung dieser Wahlversprechen in Erscheinung trat. Es heißt, dass er dafür sorgen wird, "dass es eine gerechte Pensionsreform" und "mehr neue Arbeitsplätze gibt" und er alles tun wird, damit Frauen mit ihren Nöten und Problemen nicht allein gelassen werden". Versehen sind all diese Plakate mit der eigenhändigen Unterschrift von Franz Vranitzky, womit er sozusagen persönlich für die Erfüllung dieser Wahlziele bürgt.

Das abgebildete Plakat mit dem Text "Für Experimente ist unser Österreich zu teuer" ist einerseits im Zusammenhang dieser sozialpolitischen Wahlkampschwerpunkts der SPÖ zu sehen und kann als "Ich werde dafür sorgen, dass es keine sozialen Experimente in Österreich geben wird" interpretiert werden. Andererseits signalisiert der Slogan "Für Experimente ist mir unser Österreich zu teuer" aber auch die Warnung vor einer Veränderung im politischen Stärkeverhältnis und an der vorhandenen Regierungsform, einer Koalitionsregierung aus SPÖ und ÖVP mit einer SPÖ-Kanzler an deren Spitze, Zu sehen ist das Wahlplakat somit auch besonders vor dem Hintergrund eines kontinuierlichen Stimmengewinns der FPÖ in den 1990-er Jahren.

In visueller Hinsicht bemerkenswert ist einerseits der rot-weiß-rote Plakatrand, womit sich die SPÖ das Image einer staatstragenden, im Dienste Österreichs stehenden Partei gab. Anderseits fällt das Logo auf, das aus dem rot-weiß-roten SPÖ-Parteilogo mit dem EU-Logo im Hintergrund bestand. Anzumerken ist hierbei, dass die SPÖ - in wandelnder Form ? seit den Nationalratswahlen 1990 das EU-Logo auf ihren Wahlplakaten abbildete, während alle anderen Parteien auf der Ebene ihres Parteilogos einen Europa-Bezug vermissen ließen. Als einzige Partei gab sich somit die SPÖ - dies jedoch nur bei den Nationalratswahlen 1990, 1994, 1995 - nicht nur das Image einer "Österreich-Partei", sondern auch das einer europäischen Partei.

Zur Nationalratswahl vom 17. Dezember 1995:

Die nach der Nationalratswahl vom 9. Oktober 1994 gebildete große Koalition hatte keinen langen Bestand. Nachdem Wolfgang Schüssel am 22. April 1995 Erhard Busek nach einem innerparteilichen Machtkampf als ÖVP-Obmann ablöste und am 4. Mai 1995 auch seine Nachfolge als Vizekanzler (sowie als Nachfolger von Alois Mock auch als Außenminister) angetreten hatte, initiierte Schüssel angesichts massiver Budgetprobleme vorzeitige Neuwahlen, die am 17. Dezember durchgeführt wurden. Die Hoffnung, die ÖVP zur stimmenstärksten Partei zu machen, ging jedoch nicht in Erfüllung ? im Gegenteil die ÖVP verlor sogar ein Mandat, während die SPÖ sechs Mandate dazu gewinnen konnte. Bundeskanzler Vranitzky brachte diese Wahl, die neuerlich zur Bildung einer großen Koalition führte, das beste Ergebnis seiner Kanzlerschaft ein

Von den insgesamt 13 Parteien (SPÖ, ÖVP, FPÖ, Die Grünen - Die Grüne Alternative, Liberales Forum - Heide Schmidt, Vereinte Grüne Österreichs - Liste Adi Pinter, KPÖ, Bürgerliche Grüne Österreichs, Freie Demokraten - Die Liberalen, Verband der Sozialversicherten Bürgerlisten und Unabhängige, Nein - Bürgerinitiative gegen den Verkauf Österreichs, Christliche - Wähler - Gemeinschaft, Österreichische Naturgesetz-Partei, Fritz Georg, Die Beste Partei) schafften fünf Parteien den Einzug in den Nationalrat: SPÖ 38,1% (1,843.679) der abgegebenen Stimmen bzw. 71 Mandate, ÖVP 28,3% (1,370.497) der abgegebenen Stimmen und 53 Mandate, FPÖ 21,9% (1,060.175) der abgegebenen Stimmen und 40 Mandate, Die Grünen 4,8% (233.232) der abgegebenen Stimme und 9 Mandate, LIF 5,5% (267.078) der abgegebenen Stimmen und 10 Mandate.

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