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"Wer mehr Arbeitsplätze will, braucht gute Unternehmer."

Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung

Wahlplakat der ÖVP für die Nationalratswahl vom 3. Oktober 1999.

Für die ÖVP waren die Themen Arbeit, Arbeitsmarkt und Wirtschaft zentrale Bestandteile ihres Wahlkampfs von 1999. Diese Themen wurden unter anderem auf querformatigen Plakaten in Form von Textbotschaften plakatiert: Auf einem vertikal zweigeteilten Hintergrund von hellem und dunklem Blau durchziehen zwei Schriftzüge das Plakat: Zum einen steht die Aussage "Wer mehr Arbeitsplätze will, braucht gute Unternehmer." zentriert in der Plakatmitte. Der Satzaufbau korrespondiert mit der Farbeinteilung: Auf hellblauem Hintergrund wird der Wunsch "Wer mehr Arbeitsplätze will,..." affichiert, die Bedingung dafür ("..., braucht gute Unternehmer") kontrastiert mit einem kräftigen dunklen Blauton.
Die Urheberschaft dieser Aussage wird durch die Plakatkonzeption Wolfgang Schüssel zugeschrieben. Dies wird den BetrachterInnen auf drei verschiedene Arten vermittelt: Zum ersten weist der Schriftzug "Wolfgang Schüssel" in kleiner Schriftgröße im rechten unteren Eck darauf hin. Augenscheinlicher wird die Verbindung aber mit der Unterschrift Schüssels, die sich quer über das Plakat zieht. Sie lenkt den Blick der BetrachterInnen auf das dritte personalisierende Element, das kleine Portrait Schüssels in der rechten oberen Ecke. An dieser Stelle findet sich normalerweise das Parteilogo. Anstatt dem ÖVP-Logo wirkt nun das kleine Portrait Schüssels in diesem Zusammenhang wie ein Logo.

Das Plakat verdeutlicht die Bedeutung der Personalisierung im ÖVP-Wahlkampf: Wolfgang Schüssel bürgt mit seiner Unterschrift dafür, die Unternehmer zu stärken, um in weiterer Folge Arbeitsplätze zu schaffen. Die Affichierung der Unterschrift sollen die Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit des Politikers unterstreichen - Schüssel bürgt quasi mit der eigenen Unterschrift für die Einhaltung der Wahlversprechen, die sich stark an die traditionelle Stammklientel der ÖVP, die Wirtschaftstreibenden, richten. Durch die starke Personalisierung ist es aber nicht mehr die ÖVP, die hier ihre Stammwähler ansprechen will, es ist die Person Wolfgang Schüssel, der hier für seine Partei steht.

Im Mittelpunkt der Wahlwerbung stehen so weniger die Partei und das Programm, sondern - und dies gilt für alle Parteien - die SpitzenkandidatInnen, auf die die Wahlkampflinien zugeschnitten ist.

Zur Nationalratswahl vom 3. Oktober 1999:

Bei der Nationalratswahl vom 3. Oktober 1999 kandidierten insgesamt neun Parteien (SPÖ, ÖVP, FPÖ, LIF, Die Grünen, KPÖ, DU (Die Unabhängigen - Liste Lugner), NEIN (Nein zu NATO und EU Neutrales Österreich Bürgerinitiative) und CWG (Christliche Wählergemeinschaft).

Hiervon schafften folgende Parteien den Einzug in den Nationalrat: SPÖ: 33,2% (1,532.448) der abgegebenen Stimmen oder 65 Mandate, ÖVP: 26,9% (1,243.672) der abgegebenen Stimmen oder 52 Mandate, FPÖ: 26,9% (1,244.087) der abgegebenen Stimmen oder 52 Mandate, Die Grünen: 7,4% (342.260) der abgegebenen Stimmen oder 14 Mandate. Das LIF schaffte 1999 mit 3,65% (168.612) der abgegebenen Stimmen den Einzug in den Nationalrat nicht mehr, ebenso gelang es der erstmals kandidierenden DU (Die Unabhängigen - Liste Lugner) nicht, ins österreichische Parlament einzuziehen.

Den Wahlen folgte die Bildung einer ÖVP-FPÖ-Koalitionsregierung unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, der noch im Wahlkampf angekündigt hatte, bei einem Abrutschen auf den dritten Platz in Opposition zu gehen. Nach den Wahlen wurde zunächst Viktor Klima als Vorsitzender der stimmenstärksten Partei, der SPÖ, beauftragt, Sondierungs- bzw. Koalitionsgespräche zu führen. Die Gespräche zwischen SPÖ und ÖVP scheiterten jedoch aus verschiedenen Gründen (Gerüchte über Parallel-Verhandlungen zwischen ÖVP und FPÖ, Widerstände der SP-Gewerkschaften, die Forderung der ÖVP nach Übernahme des Finanzressorts, wogegen sich die SPÖ wehrte, etc.), worauf FPÖ und ÖVP beschlossen - ohne Auftrag des Bundespräsidenten - Verhandlungen über eine Regierungsbildung aufzunehmen, die zu einem positiven Ergebnis führten. Innerhalb der Europäischen Union wurde dies deutlich kritisch rezipiert und führte zu den so genannten "Sanktionen" der EU-14. Nicht zuletzt deswegen, da Klima inzwischen ein zweites Mal mit der Bildung einer Regierung gescheitert war, gelobte Bundespräsident Klestil am 4. Februar 2002 die erste ÖVP-FPÖ-Regierung an.

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