zur normalen Ansicht

Bildstrategien Zusatz > Bildstrategien Liste 

Der Schüssel-Ditz-Kurs

Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Wahlplakat der ÖVP für die Nationalratswahl vom 17. Dezember 1995.

Zentrale Themen im Plakatwahlkampf der ÖVP 1995 waren die Erneuerung, Zukunft und Reform. Das Thema Budgetsanierung prägte ebenso den Wahlkampf, waren doch die vorgezogenen Nationalratswahlen 1995 das Resultat eines Zerwürfnisses zwischen den Koalitionspartnern SPÖ und ÖVP: Die Große Koalition wurde sich nicht über die Art und Weise der Budgetsanierung einig, daher kam es bereits ein Jahr nach den regulären Nationalratswahlen 1994 erneut zum Urnengang. Im Wahlkampf versuchte sich die ÖVP als Partei zu positionieren, die sinnvolle Reformen zum Wohle des Landes anstrebt, gleichzeitig aber nicht alles verändern will.

Das vorliegende Plakat soll die Wirtschaftskompetenz der ÖVP unterstreichen: Gemeinsam mit dem damaligen Wirtschaftsminister Johannes Ditz hatte der damalige ÖVP-Spitzenkandidat und Vizekanzler Wolfgang Schüssel ein rigides Sparprogramm zur Sanierung des Staatshaushaltes präsentiert: Diese Pläne einer Reduktion der Staatsausgaben wurden unter dem Namen Schüssel-Ditz-Kurs bekannt. Diese Abkürzung spielte auf den in den 1950-er Jahren propagierten Raab-Kamitz-Kurs an. Die Anleihe an den Raab-Kamitz-Kurs kam nicht von ungefähr: Dieses Wirtschaftsprogramm der 1950-er Jahre umfasste eine Sanierung des damals defizitären Staatshaushaltes durch Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen, im Anschluss dazu durchlief Österreichs Wirtschaft eine Phase der Hochkonjunktur. Der Schüssel-Ditz-Kurs sollte - so die Aussage des Plakats - ähnlich wie anno dazumal der Raab-Kamitz-Kurs - Österreichs Wirtschaftlage verbessern.

Das Thema Wirtschaft wird anhand der 1-Schilling-Münze visualisiert. Diese Darstellungsform wurde gerne auf Plakaten als Symbol für die Wirtschafts-, Währungs- und Finanzpolitik angewendet. Gleichzeitig ist der Schilling auch eine Art Nationalsymbol für Österreich.

Anzumerken ist bei diesem Plakat, dass hier - im Gegensatz zu den anderen ÖVP-Plakaten des Wahlkampfes 1995 - noch ein altes Logo verwendet wird. Grund hierfür ist, dass das abgebildete Plakat eines der ersten affichierten Plakate im Wahlkampf war; der Slogan "Die Neue ÖVP" wurde erst später im Rahmen des Wahlkampfs entwickelt.

Zur Nationalratswahl vom 17. Dezember 1995:

Die nach der Nationalratswahl vom 9. Oktober 1994 gebildete große Koalition hatte keinen langen Bestand. Nachdem Wolfgang Schüssel am 22. April 1995 Erhard Busek nach einem innerparteilichen Machtkampf als ÖVP-Obmann ablöste und am 4. Mai 1995 auch seine Nachfolge als Vizekanzler (sowie als Nachfolger von Alois Mock auch als Außenminister) angetreten hatte, initiierte Schüssel angesichts massiver Budgetprobleme vorzeitige Neuwahlen, die am 17. Dezember durchgeführt wurden. Die Hoffnung, die ÖVP zur stimmenstärksten Partei zu machen, ging jedoch nicht in Erfüllung - im Gegenteil, die ÖVP verlor sogar ein Mandat, während die SPÖ sechs Mandate dazu gewinnen konnte. Bundeskanzler Vranitzky brachte diese Wahl, die neuerlich zur Bildung einer großen Koalition führte, das beste Ergebnis seiner Kanzlerschaft ein

Von den insgesamt 13 Parteien (SPÖ, ÖVP, FPÖ, Die Grünen - Die Grüne Alternative, Liberales Forum - Heide Schmidt, Vereinte Grüne Österreichs - Liste Adi Pinter, KPÖ, Bürgerliche Grüne Österreichs, Freie Demokraten - Die Liberalen, Verband der Sozialversicherten Bürgerlisten und Unabhängige, Nein - Bürgerinitiative gegen den Verkauf Österreichs, Christliche - Wähler - Gemeinschaft, Österreichische Naturgesetz-Partei, Fritz Georg, Die Beste Partei) schafften fünf Parteien den Einzug in den Nationalrat: SPÖ 38,1% (1,843.679) der abgegebenen Stimmen bzw. 71 Mandate, ÖVP 28,3% (1,370.497) der abgegebenen Stimmen und 53 Mandate, FPÖ 21,9% (1,060.175) der abgegebenen Stimmen und 40 Mandate, Die Grünen 4,8% (233.232) der abgegebenen Stimme und 9 Mandate, LIF 5,5% (267.078) der abgegebenen Stimmen und 10 Mandate.

© Demokratiezentrum Wien

Demokratiezentrum Wien
Hegelgasse 6 / 5, A - 1010 Wien
Tel.: +43 / 1 / 512 37 37, Fax.: +43 / 1 / 512 37 37-20
office@demokratiezentrum.org