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Wer die SPÖ stärkt, schwächt den Schilling

Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Wahlplakat der ÖVP für die Nationalratswahl vom 18. November 1962.

Die beiden wichtigsten Themen des ÖVP-Wahlkampfs von 1962 waren der Antisozialismus und die "rote Gefahr" (in ihrer Wahlkampfkommunikation verknüpfte die ÖVP KPÖ und SPÖ zur "drohenden linken Gefahr"). In punkto Wirtschaftspolitik prägte 1962 die Stabilität des Schillings den Wahlkampf, wobei diese hauptsächlich von der ÖVP in den Wahlkampf eingebracht wurde: Im Jahre 1962 ging das so genannte Wirtschaftswunder zu Ende, die Wachstumsraten der österreichischen Wirtschaft gingen zurück.

Zentrale Wahlaussage der ÖVP im Zusammenhang mit dem Thema Inflation war, dass sie dafür sorgen wolle, dass der Schilling seinen Wert behalte. Auf dem linken Plakat erklärt die ÖVP ihre Wirtschaftskompetenz wie folgt: "Damit das Sparen einen Sinn hat ... wählen Vati und Mutti ÖVP Liste 1." Der Bub in der Lederhose, der gerade sein Sparschwein füttert, soll also in Zukunft in einem schuldenfreien, wirtschaftlich florierenden Österreich leben. Der Satzteil "...wählen Vati und Mutti..." - symbolisiert gleichzeitig ein verantwortungsvolles Handeln der jetzig Erwerbstätigen im Sinne der nächsten Generation. Gleichzeitig mit ihrer Wirtschaftskompetenz will sich die ÖVP als die zukunftsorientierte Partei für die Familien darstellen.

Das rechte Plakat ist hingegen in einer politischen Freund-Feind-Definition gestaltet, wobei sich die ÖVP staatstragend als diejenige Partei darstellt, die in Sachen Wirtschaftskompetenz die Verantwortung für Österreich übernehmen kann - im Gegensatz zur SPÖ, denn, so suggeriert das Plakat, "Wer die SPÖ stärkt ...schwächt den Schilling!"

Die zentralen Worte "SPÖ" und "Schilling" werden außerdem mit Symbolen dargestellt: Die BetrachterInnen sehen ein überdimensioniertes altes SPÖ-Kampfsymbol, dessen schräg nach links gerichtete Pfeile direkt in eine 1-Schilling-Münze zielen, sie optisch also "attackieren." Das neue ÖVP-Logo und das Wort "darum" symbolisieren, wie dieses Bedrohungsszenario vereitelt werden kann: Mit einer Wahl der ÖVP. Damit versuchte die ÖVP, die potentiellen WählerInnen mit einer argumentativen Kausalität zu überzeugen und gleichzeitig das Feindbild SPÖ negativ abzuwerten.

Die ÖVP kommunizierte 1962 eine psychologisch wohlüberlegte Wahlkampflinie. Das Feindbild - gegen alles "Rote" - wurde nicht mehr explizit genannt, sondern nur durch die Farbe Rot und die Symbolsprache dämonisiert. Ein Unterschied zu den vorherigen Wahlkämpfen bestand zudem darin, dass diese Feindbildstrategie nun alle Plakate durchzog.

Parallel dazu zog eine einheitliche Plakatgestaltung im Sinne des Aufbaus einer Corporate Identity in den Wahlkampf ein: Die ÖVP-Plakate wurden mit einem einheitlichen Logo und dem neuen dunkelgrünen Hintergrund versehen: Anzumerken ist dabei, dass die Farbe Grün bereits einmal in der jüngsten österreichischen Geschichte eine Rolle spielte, und zwar in der Ersten Republik bei der Heimwehr, einer paramilitärischen, den Christlichsozialen nahe stehenden Wehrorganisation. Auf den Wahlplakaten der Partei und als "Parteifarbe" spielte Grün bis Mitte der 1980-er Jahre eine wichtige Rolle und wurde in den folgenden Jahren dann wieder von der früheren Parteifarbe Schwarz abgelöst. Die Art der Logogestaltung bestand bereits seit 1959 aus dem "V" in rot-weiß-rot, dem "Ö" und dem "P", variierend in Weiß oder Schwarz, und sollte in dieser Form bis 1975 beibehalten werden.

Zu den Nationalratswahlen vom 8. November 1962:

Bei den Nationalratswahlen vom 18. November 1962 kandidierten fünf Parteien: ÖVP, SPÖ, FPÖ, KLS (Kommunisten und Linkssozialisten), EFP (Europäische Föderalistische Partei Österreichs).

Die einzelnen Parteien erreichten folgende Ergebnisse: ÖVP 2.024.501 oder 45,4% der abgegebenen Stimmen (81 Mandate); SPÖ 1.960.685 oder 44% der abgegebenen Stimmen (76 Mandate); FPÖ 313.895 oder 7% der abgegebenen Stimmen (8 Mandate). KLS und EFP schafften den Einzug in den Nationalrat nicht.

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