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Wehrt Euch gegen Rentenklau

Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung

Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 22. Februar 1953.

Im Nationalratswahlkampf 1953 gab es zwei prägende Figuren in der SPÖ-Plakatkommunikation, den "Hungerraab" (siehe Kategorie Arbeit) und den "Rentenklau". Beide stammen aus der Feder von Viktor Th. Slama.

Die SPÖ kommunizierte das Thema Pensionen im Sinne eines Bedrohungsszenarios und bezichtigte die ÖVP des Diebstahls von Renten und Pensionen, während sie sich solidarisch mit den RentnerInnen zeigte. Dargestellt wurde die ÖVP als dicke, fette, schwarze Figur, die den historisch konnotierten Kapitalisten-Zylinder - er wurde bereits in der Ersten Republik als Feindsymbol für "das Kapital" verwendet - trägt. Über die Schulter geworfen hat er einen schweren Sack mit den Renten von "Witwen und Waisen, Alten und Kranken, Invaliden und Kriegsopfern", womit er an die Propagandafigur des "Kohlenklaus" der Nationalsozialisten aus den 1940-er Jahren erinnert.

Auch er wurde als dicke schwarze Figur dargestellt, die einen schweren Sack auf ihren Schultern trägt, im Gegensatz zum "Rentenklau" aber mit der Mütze eines Arbeiters bekleidet ist und vor der Verschwendung von Kohle warnt. So heißt es im Zusammenhang mit dem "Kohlenklau" etwa: "Da ist er wieder. Sein Magen knurrt, sein Sack ist leer, und gierig schnüffelt er umher. An Ofen, Herd, an Hahn und Topf, an Fenster, Tür und Schalterknopf holt er mit List, was ihr versaut. Die Rüstung ist damit beklaut, die auch Dein bisschen nötig hat, das er jetzt sucht in Land und Stadt. Fasst ihn! In den Zeitungen steht mehr über ihn!" Ein andermal wird er hingegen mit folgendem Text plakatiert: "Da ist Kohlenklau! Der Millionendieb. Wo steckt Kohlenklau? Beim Kochen und Heizen blüht ihm der Weizen. An Festern und Türen könnt ihr ihn spüren. Um Schalter und Hähne schleicht die Hyäne. Am Werkplatz nicht minder stiehlt dieser Sünder. Überall Kohlenklau! Fasst ihn! In den Zeitungen steht mehr über ihn!" (Wiener Stadt- und Landesbibliothek, Tagebuch der Straße, Wien 1981, 251; http://www.calvin.edu/academic/cas/gpa/posters2.htm, 7.7.2006)

Zur Nationalratswahl vom 22. Februar 1953:

Bei der Nationalratswahl vom 22. Februar 1953 kandidierten folgende Parteien: ÖVP, SPÖ, Bund österreichischer Monarchisten, Christlichdemokratische Partei (Krscanska demokratska stranka), Christlichsoziale Partei und Parteifreie Persönlichkeiten, Österreichische National-Republikaner und Parteilose, Österreichische Patriotische Union, Überparteiliche Einigung der Mitte, Wahlgemeinschaft parteiloser Persönlichkeiten, Wahlgemeinschaft Österreichische Volksopposition, Wahlpartei der Unabhängigen.

Den Einzug in den Nationalrat schafften ÖVP (1,781.777 Stimmen oder 41,3% der abgegebenen Stimmen bzw. 74 Mandate), SPÖ (1,818.517 Stimmen oder 42,1% der abgegebenen Stimme bzw. 73 Mandate), die Wahlgemeinschaft Österreichische Volksopposition, die Nachfolgerin des Linksblocks bestehend aus KPÖ und Linkssozialisten (228.159 oder 5,3% der abgegebenen Stimmen bzw. 4 Mandate) und die Wahlpartei der Unabhängigen (472.866 Stimmen oder 10,9% der abgegebenen Stimmen bzw. 14 Mandate). Stimmenstärkste Partei wurde die SPÖ, die aufgrund des bestehenden Wahlrechts jedoch ein Mandat weniger als die ÖVP erlangte.

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