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Nur die stabile Währung sichert Vollbeschäftigung

Quelle: Österreichische Nationalbibliothek - Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung

Wahlplakat der ÖVP für die Nationalratswahl vom 22. Februar 1953

Die Stabilität der Währung und die Wirtschaftspolitik waren zentrale Themen der ÖVP im Wahlkampf von 1953: Obwohl die Nachkriegswirtschaft einen Aufschwung erlebte, gab es Inflation, d.h. eine Entwertung der Währung: Die Preise stiegen schneller an als die Löhne, man konnte sich also um sein Geld weniger kaufen. Zwar wurde der Anstieg von Löhnen und Preisen zwischen Unternehmer- und Arbeiterverbänden in mehreren Lohn-Preis-Abkommen ausgehandelt, diese Abkommen wurden allerdings immer wirkungsloser und 1951 eingestellt. Um die Geldentwertung zu stoppen und das Budget ausgeglichen zu halten, kürzte die ÖVP-SPÖ-Regierung die Staatsausgaben und erhöhte die Steuerquote. Allerdings stagnierte nun die Wirtschaft, die Arbeitslosenrate stieg 1953 auf 8,8%, gleichbedeutend mit 183.500 registrierten Arbeitslosen (Quelle: HVSV, AMS, April 2006).

Die ÖVP setzte sich deshalb weiterhin für einen Sparkurs des Staates ein, um die Inflation einzudämmen. Die Kernaussage dieses ÖVP-Plakats für den Wahlkampf 1953 lautet, dass - angesichts der wirtschaftlichen Situation - nur die stabile Währung Vollbeschäftigung in der Zukunft sichern könne. Die angestrebte Vollbeschäftigung wird visuell durch eine Brücke dargestellt, die das Plakat dominiert: Das Fundament dieser Brücke bilden zwei dreidimensionale rot-weiß-rote "Ö"-Zeichen, die bereits bei den Nationalratswahlen 1949 als Logo verwendet wurden (und 1953 neben dem rot-weiß-roten und schwarzen Schriftzug dokumentiert sind). Auf den Pfeilern aus aufgestapelten Münzen - gleichsam als Zeichen der erfolgreichen Finanzpolitik - ruht der Brückenkopf der Vollbeschäftigung. Die BetrachterInnen sehen auch mit einem Blick die Früchte dieses Kurses: Im Bildhintergrund sind Fabriken mit rauchenden Schloten als Zeichen einer florierenden Wirtschaft platziert; die Belegschaft marschiert zwischen den "Ö"-Fundamenten der Brücke in die Fabriken.

Die Aufbruchsstimmung in eine bessere wirtschaftliche Zukunft wird gleichzeitig durch Farbwirkung und Bildkomposition verstärkt: Zum einen wird das Plakat von den Signalfarben Gelb und Rot im Kontrast zum Schwarz des Bodens und des Graus der Brückenpfeiler dominiert: Das freundliche Sonnengelb verstärkt somit die Idylle der versprochenen guten Zukunftsaussichten mit Vollbeschäftigung. Dieses Wort ist ganz patriotisch in rot-weiß-roten Lettern gestaltet. Zum anderen resultiert aus der diagonalen Gestaltung der Brücke ein dynamisches Image. Es ist kein Zufall, dass die Diagonalen und Schräglagen nach rechts oben führen, da rechts positionierte Objekte am Plakat auf zukünftige Ereignisse hinweisen. Diese Gestaltungsregel ist mit der Blickrichtung beim Lesen erklärbar: Da der Blick beim Lesen von links nach rechts verläuft, werden Objekte, die an vergangene Zeiten erinnern, links positioniert und solche, die auf zukünftige Ereignisse verweisen, auf die rechte Seite des Plakats gestellt.

Das funktionalistisch-sachliche Design des Plakats steht ganz im Zeichen der beginnenden Technikeuphorie der 1950-er Jahre. Ebenso weist die Plakatgestaltung Ähnlichkeiten zu damaligen Werbeplakaten für Konsumartikel auf, die in den "Wirtschaftswunderjahren" gerne mit dreidimensionalen Logos als Handlungsträger gezeigt wurden.

In intentionaler Hinsicht verfolgt das Plakat mit dem Aufruf "Wählt ÖVP!" eindeutig eine Handlungsanleitung, die WählerInnen sollen für die Wahl der ÖVP mobilisiert werden. Gleichzeitig wird durch die idealisierte Darstellung die ÖVP als beste Wahlalternative dargestellt, da - so die Plakataussage - nur sie die stabile Währung und Vollbeschäftigung sichern kann.

Zur Nationalratswahl vom 22. Februar 1953:

Bei der Nationalratswahl vom 22. Februar 1953 kandidierten elf Parteien: ÖVP, SPÖ, Bund Österreichischer Monarchisten, Christlichdemokratische Partei (Krscanska demokratska stranka), Christlichsoziale Partei und Parteifreie Persönlichkeiten, Österreichische National-Republikaner und Parteilose, Österreichische Patriotische Union, Überparteiliche Einigung der Mitte, Wahlgemeinschaft parteiloser Persönlichkeiten, Wahlgemeinschaft Österreichische Volksopposition, Wahlpartei der Unabhängigen.

Den Einzug in den Nationalrat schafften ÖVP (1,781.777 Stimmen oder 41,3% der abgegebenen Stimmen bzw. 74 Mandate), SPÖ (1,818.517 Stimmen oder 42,1% der abgegebenen Stimme bzw. 73 Mandate), die Wahlgemeinschaft Österreichische Volksopposition, die Nachfolgerin des Linksblocks bestehend aus KPÖ und Linkssozialisten (228.159 oder 5,3% der abgegebenen Stimmen bzw. 4 Mandate) und die Wahlpartei der Unabhängigen (472.866 Stimmen oder 10,9% der abgegebenen Stimmen bzw. 14 Mandate). Stimmenstärkste Partei wurde die SPÖ, die aufgrund des bestehenden Wahlrechts jedoch ein Mandat weniger als die ÖVP erlangte.

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