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Am 9. Oktober - Sozialistische Partei!

Österreichische Nationalbibliothek - Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung

Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 9. Oktober 1949

Ein wesentliches Thema der ÖVP im Wahlkampf 1949 war es, die SPÖ in die Nähe zur KPÖ zu rücken bzw. diese Vorbereiterin des Kommunismus in Österreich darzustellen. Umgesetzt wurde dies einerseits mit dem Symbol der roten Katze (siehe hierzu die Kategorie Personen), andererseits wurde die "Feindeskoalition" SPÖ-KPÖ durch eine Verbindung der sozialistischen Drei Pfeile und von Hammer und Sichel dargestellt.

Die SPÖ reagierte ihrerseits damit, dass sie im Wahlkampf daran erinnerte, dass es im Juni 1947 zu Geheimbesprechungen zwischen dem ÖVP-Bundeskanzler Leopold Figl und dem führenden Kommunisten Ernst Fischer über eine stärkere Beteiligung der Kommunisten an der österreichischen Politik gekommen war. Hintergrund hierfür ist, dass sich Teil der ÖVP von diesen Gesprächen, die als "Figl-Fischerei" in die Geschichte eingegangen sind, eine großzügigere Unterstützung für Österreichs Wirtschaft und den Abschluss des Staatsvertrages durch die Sowjets erhofft, der Bundesparteivorstand sprach sich aber dagegen aus, worauf das Vorhaben scheiterte.

Im Wahlkampf nützte die SPÖ diese Gespräche aber nun dazu, die ÖVP einerseits dazu, diese als Lügnerin zu überführen und diese andererseits in den Nähe des Kommunismus zu bringen, was auf dem abgebildeten Plakat mit einer Kritik an der Wirtschaftspolitik von ÖVP und KPÖ verbunden wird: So wird die KPÖ hier als Vertreter der Volksdemokratie und die ÖVP als Partei der Profitwirtschaft (und der damit zusammenhängenden Krisen) dargestellt. Der Ziegel als Symbol des Wiederaufbaus in Wien mit den Drei Pfeilen der SPÖ fällt ihnen auf den Kopf. Demokratie und Planwirtschaft, für das die SPÖ auch in ihrem programmatischen Aktionsprogramm aus dem Jahr 1947 eingetreten war, wurden als Konzepte der Zukunft dargestellt.

Im Hintergrund überbringt ein Rabe Ernst Rüdiger Starhemberg, der im Bürgerkrieg 1934 führend an der Seite des Dollfuß-Regimes gegen Sozialisten und Kommunisten gekämpft hatte, die schlechte Nachricht von der vermeintlichen Zusammenarbeit zwischen KPÖ und ÖVP. Der Heimwehrführer. Damit brachte die SPÖ einmal mehr die Vergangenheit führender ÖVP-Politiker im austrofaschistischen Regime ins Spiel.

Zur Nationalratswahl vom 9. Oktober 1949:

Bei der Nationalratswahl vom 9. Oktober 1949, bei der der Großteil der (1945 von der Wahl ausgeschlossenen) ehemaligen NationalsozialistInnen wieder wählen konnte - es handelt sich um rund 500.000 Personen, die aufgrund des Nationalsozialistengesetzes 1947 als "minderbelastet" eingestuft worden waren - kandidierten insgesamt zehn Parteien: ÖVP, SPÖ, Linksblock (Kommunistische Partei Österreichs und Linkssozialisten), WdU (VdU), Demokratische Union, Vierte Partei (Ergokraten), Demokraticna fronta delovnegna ljudstva, Demokratische Partei Österreichs, Wirtschaftspartei der Haus- und Grundbesitzer.

Den Einzug in den Nationalrat schafften ÖVP, SPÖ, KPÖ und der Verband der Unabhängigen (VdU), der bei den Nationalratswahlen als "Wahlpartei der Unabhängigen" (WdU) kandidiert hatte. Entstanden war der VdU als "Sammelbecken der Ehemaligen" (gemeint sind ehemalige NationalsozialistInnen). Erfolgt war seine Etablierung mit maßgeblicher Unterstützung der SPÖ, vor allem von Innenminister Oskar Helmer, die sich durch die Kandidierung des VdU eine Schwächung der ÖVP erhoffte.

Die einzelnen Parteien erreichten folgende Ergebnisse: ÖVP 44% bzw. 1,846.581 Stimmen, SPÖ 38,7% bzw. 1,623.524 Stimmen, Linksblock 5,1% bzw. 213.066 Stimmen, WdU 11,7% bzw. 489.273 Stimmen, Demokratische Union 0,28% bzw. 12.059 Stimmen, Vierte Partei 0,17% bzw. 7.134 Stimmen, Demokraticna fronta delovnegna ljudstva 0,004% bzw. 2.088 Stimmen. Den Einzug in den Nationalrat schafften ÖVP (77 Mandate), SPÖ (67 Mandate), Linksblock (5 Mandate) und der WdU (16 Mandate).

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