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Fahnenmasten
Fahnenmasten
Quelle: Salzburger Nachrichten, 12. Juni 2004, S. 3 © APA-IMAGES/epa/ Christian Hartmann

Original-Bildtext
"Die politischen Machtverhältnisse im Europäischen Parlament entscheiden auch die Richtung der europäischen Politik. Eines steht auf jeden Fall schon vor der Wahl fest: Der Einfluss des Parlaments steigt und steigt."

Bildanalyse
Die Fotografie nimmt das in unionseuropäischen Zusammenhängen sinnfällige Flaggenmotiv auf und wandelt es ab. Sie zeigt die Nationalflaggen der EU-Mitgliedsstaaten aus starker Untersicht vor dem Europäischen Parlament in Straßburg auf eine Weise, die deutlich macht, dass sie als Fotografie wahrgenommen werden will und nicht als Dokument eines Ereignisses: Die Flaggenmasten ziehen himmelwärts strebende Linien durchs Bild; die Sonne verbirgt sich zum Teil hinter der französischen Flagge, die aus diesem Grund beinahe transparent erscheint; im Bildhintergrund, im Schatten des Gegenlichts, ist der charakteristische Rundbau des Europäischen Parlaments zu erkennen. Kurz: Wir haben es offenbar mit dem Willen zu fotografischer Komposition zu tun, der die Gunst des Augenblicks - blauer Himmel, tief stehende Sonne, weiches Licht - zur Produktion eines Bilds benützt hat, das in erster Linie die eigene Kunstfertigkeit ausstellt.

Das Resultat dieser Kunstfertigkeit ist EU-Manierismus. Als gesucht, geziert, kapriziös und spannungsgeladen könnte man die Darstellung von Flaggen, Masten und Parlamentsgebäude bezeichnen und sich in weiterer Folge an die Lösung des Rätsels machen, welches die Fotografie ihren Betrachter/innen stellt: Warum bilden eigentlich die Nationalflaggen vor dem Europäischen Parlament ein Spalier, das dieses abschirmt? Warum erstrahlen die Flaggen im Glanz des Lichts, während das Parlament im Schatten zu versinken droht? Die Antwort scheint einfach: Am Ende eines Wahlkampfs zum EU-Parlament, in dem in erster Linie innenpolitische Themen propagiert wurden, bringt das Bild die herrschenden Machtverhältnisse in EU-Europa adäquat zum Ausdruck. Das verrät noch der erste Satz der Bildunterschrift: "Die politischen Machtverhältnisse im Europäischen Parlament entscheiden auch die Richtung der europäischen Politik". Geht es nach der Fotografie, ist es das Gewicht der Nationalstaaten, welches über die Richtung der europäischen Politik entscheidet.

© Demokratiezentrum Wien

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