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Symbole

Etymologisch leitet der Begriff "Symbol" sich vom griechischen "symballein" ab, das soviel wie "zusammenwerfen", "zusammenfügen" bedeutet. Wörtlich genommen ist ein Symbol also ein Zusammengefügtes: es bezeichnet die zwischen Gast- oder Geschäftsfreunden geübte Praxis, durch das Auseinanderbrechen eines Gegenstands ein untrügliches Erkennungszeichen zu erhalten. Auch zeichentheoretisch besitzt das Symbol eine ähnliche Funktion. Es bedeutet aufgrund eines Codes, der bekannt sein muss, damit das anwesende Zeichen als Symbol für ein abwesendes Objekt erkannt wird: "Im kommunikativen Geschehen fungiert das Symbol als ein Objektbezug, der Kraft eines Kodes, d.h. in stark konventionalisierter Weise, einige Merkmale eines Objekts benennt, um so meist bekannte Assoziationen von allgemeinen Ideen in Bezug auf das Objekt zu erwecken" (Schelske 1997:41). Das christliche Kreuz kann beispielsweise nur unter der Bedingung als Symbol für das Christentum gelesen werden, wenn man das leere Kreuz mit der Erzählung (dem Code) von Tod und Auferstehung Jesu zusammenfügt.

Bezeichnet das Symbol damit den Zusammenhang von Getrenntem, wird ebenso wenig überraschen, dass der Gegensatz zum Symbolischen das Diabolische ist (griechisch unter anderem für das Durcheinandergeworfene, Verwirrte), wie auch, dass der Übertragung von Bedeutungen auf ein Zeichen, ein Bild oder einen Gegenstand kaum Grenzen gesetzt sind: Unter Umständen kann alles mögliche zu einem Symbol werden. Aus diesem Grund unterscheidet die Symboltheorie von Paul Tillich auch zwischen "diskursiven" und "repräsentativen" Symbolen: "Während die ersteren gängige Kürzel für verschiedene praktische und wissenschaftliche Zwecke meinen [etwa die Buchstaben der Schriftsprache], stammen die "repräsentativen" Symbole aus dem kulturellen und öffentlichen Bereich. Sie stehen für religiöse, politische oder künstlerische Ideen, stellen den Sinn gesellschaftlicher Bewegungen bildlich dar und bedürfen zu ihrer Wirksamkeit der Anerkennung durch die Gemeinschaft" (Diem 1995:42).

Einige von diesen "repräsentativen" Symbolen, die über die reine Darstellungs-, Vermittlungs- und Vertretungsfunktion eines Zeichens insofern hinausgehen, als sie das, was sie repräsentieren, zugleich auch vergegenwärtigen, bilden den Gegenstand der vorliegenden Kategorie: Dass die Europäische Union im Bereich politischer Symbolik nicht viel mehr hervorgebracht hat, als eine Flagge, eine Hymne und eine Währung, kann dabei als Beleg für das sprichwörtliche "europäische Mythendefizit" ebenso dienen wie der Umstand, dass in der täglichen Berichterstattung die europäischen politischen Symbole in betont alltäglichen Kontexten auftauchen, als fortgesetzte Arbeit an der Aufhebung dieses Defizits interpretiert werden kann.

Literatur: Peter Diem: Die Symbole Österreichs. Wien 1995.

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