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Baustelle Europa

Bilder, die Europa als Baustelle darstellen, wurden aufgrund ihrer Prominenz u.a. während der EU-Erweiterung 2004 sowie der vielfältigen Assoziationen, die sie hervorrufen, als eigenständige Kategorie behandelt. Im Vergleich zu den wenigen Symbolen EU-Europas (die Fahne, die Verträge, die Währung, die Hymne) zeichnet das Bild von Europa als Baustelle sich zunächst durch seine betonte Alltäglichkeit aus: Was eine Baustelle ist, und was auf einer Baustelle geschieht, kann als allgemein bekannt vorausgesetzt werden. Auf einer Baustelle wird gearbeitet, und zwar zumeist an der Errichtung eines Gebäudes: Vorstellungen von Zusammenarbeit werden dabei ebenso erzeugt wie solche von der allgemeinen Konstruktivität des Bauens (der spezifische Gegensatz wären destruktive Prozesse wie der Abriss von Gebäuden oder deren Zerstörung etwa in Folge kriegerischer Auseinandersetzungen). Darüber hinaus ist mit dem Bild einer Baustelle immer auch die Vorstellung verbunden, wie das fertige Gebäude aussehen wird und wozu es dienen soll: Wird es ein einladendes und offenes Bauwerk sein oder eine Festung, ein gemeinsames Haus oder ein exklusiver Club, ein stabiles Gebäude oder eine eher wackelige Konstruktion?

So vielfältig die Assoziationen auch sein mögen, die sich mit dem Bild einer Baustelle verbinden, eine fehlt regelmäßig im Zusammenhang mit EU-Europa: Und zwar das Bild, das Franz Kafka in der Erzählung "Beim Bau der chinesischen Mauer" entworfen hat. Kafka erzählt dort von einem endlosen und fragmentarischen Bau, der mit der gemeinsamen Anstrengung begonnen wurde, das Bauwerk nicht zu vollenden. Ein Bild, das für EU-Europa nicht passt? Erscheint die Baustelle bei Kafka als Ausdruck für das Misstrauen gegenüber jener Macht, die fertig gestellte (Bau)Werke ausstrahlen, sind umgekehrt jene Bilder, die EU-Europa als Baustelle symbolisieren, daraufhin zu befragen, wie groß die voraussichtliche Macht jener Werke ist, an denen gerade gebaut wird.

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