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STATION 9: Einbürgerung und Staatsbürgerschaft

Ausländische Personen, die über einen längeren Zeitraum in Österreich leben und arbeiten, können die österreichische Staatsbürgerschaft erwerben, d.h. eingebürgert werden. Sie erhalten damit bestimmte Rechte wie etwa das aktive und passive Wahlrecht.

INTERAKTIVE KARTE: Europa im Vergleich: Wie erhält man die Staatsbürgerschaft?


  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  

Irland: Abschaffung des liberalen
Staatsbürgerschaftsgesetzes
ursprünglich Territorialprinzip: jedes in Irland geborene Kind erhält die irische Staatsbürgerschaft
seit 2005 Abstammungsprinzip: mindestens ein Elternteil muss irische/r Staatsbürger/in sein
Territorialprinzip: Wer in Irland geboren wird und keine andere Staatsangehörigkeit hat (staatenlos), bekommt die irische Staatsbürgerschaft
Grund für Gesetzesänderung: Wandel vom Auswanderungsland zum Einwanderungsland

Österreich: Abstammungsprinzip
Staatsangehörigkeitsrecht folgt vor allem dem Abstammungsprinzip, d.h. der Nationalität der Eltern

 wer die österreichische Staatsbürgerschaft erwerben will, muss die alte zurücklegen (Einbürgerung)

In Österreich geborene Kinder, die per Geburt zwei Staatsbürgerschaften bekommen, können nach dem 18. Geburtstag DoppelstaatsbürgerInnen bleiben

Deutschland: Doppelstaatsbürgerschaft für EU-BürgerInnen
Abstammungsprinzip; Ausnahme: Kinder von AusländerInnen erhalten unter bestimmten Bedingungen bei Geburt die deutsche Staatsbürgerschaft. Wenn sie auch in Deutschland aufgewachsen sind, können sie beide Staatsbürgerschaften behalten
EU-BürgerInnen können mit Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit ihre alte behalten

Frankreich: koloniale Vergangenheit
in Frankreich geborene Kinder ausländischer Eltern erhalten mit dem 18. Geburtstag die französische Staatsangehörigkeit, bei bestimmten Voraussetzungen auch schon früher
Kinder von Eltern aus ehemaligen französischen Kolonien besitzen die französische Staatsangehörigkeit, wenn sie vor 1994 geboren wurden und mindestens ein Elternteil vor der Unabhängigkeit der Kolonie geboren wurde

Lettland: Hinwendung zum Territorialprinzip
vor 1998: ius sanguinis: Nachkommen von Menschen, die vor 1940 die lettische StaatsbürgerInnen waren, bekommen die Staatsbürgerschaft. Menschen, die während der Sowjetzeit einwanderten, sind so genannte Nicht-BürgerInnen
seit 1998: auch ius soli: auch Kinder von Staatenlosen oder von Nicht-BürgerInnen, die nach 1991 geboren wurden, bekommen die lettische Staatsbürgerschaft

© Demokratiezentrum Wien

HINWEIS ZUR KARTE: Die einzelnen Fahnen auf der Karte sind maussensibel. Beim Anwählen der Fahnen, erscheinen Informationen zum Erwerb der Staatsbürgerschaft im jeweiligen Land.

Das Staatsangehörigkeitsrecht unterscheidet sich in den einzelnen europäischen Staaten teilweise sehr. In vielen Ländern hat es außerdem in den letzten Jahren Gesetzesänderungen gegeben. In den meisten Fällen enthalten die Gesetze Elemente des Abstammungsprinzips sowie Elemente des Territorialprinzips.

ÜBERBLICK: Staatsbürgerschaft, Rechte und Pflichten

Rechte

  • Uneingeschränktes Leben und Arbeiten
    in Österreich
  • Wahlrecht
  • Gleichheit vor dem Gesetz
  • Schutz durch österreichische Vertretungen im Ausland
  • Förderung durch bestimmte Stipendien
    für StudentInnen und
    WissenschaftlerInnen

 

Pflichten

  • Treuepflicht gegenüber dem Staat
  • Übernahme eines Geschworenenamtes
  • Wehr- und Wehrersatzdienst für Männer


 

 

Wie wird man österreichische/r Staatsbürger/in?

… mit der Geburt, wenn mindestens ein Elternteil ÖsterreicherIn ist
© Fotolia

… bei Vorliegen eines Rechtsanspruchs, z.B. wenn man seit mindestens 6 Jahren mit einem/r ÖsterreicherIn verheiratet ist
© BMLFUW 1998-2010, LFZ/Buchgraber

… auf einen Antrag hin, z.B. nach zehn Jahren ununterbrochenem Aufenthalt in Österreich
© Fotolia

 

…wenn es im Interesse der Republik liegt und die Person besondere kulturelle, wirtschaftliche, sportliche oder wissenschaftliche Bedeutung für Österreich hat
© Votava


Außerdem müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Unbescholtenheit
  • kein bestehendes Aufenthaltsverbot
  • bejahende Einstellung zur Republik Österreich
  • hinreichend gesicherter Lebensunterhalt
  • Abgabe der bisherigen Staatsangehörigkeit (wenn möglich und zumutbar)
  • Kenntnisse der demokratischen Ordnung sowie der Geschichte Österreichs und des Bundeslandes, in dem man lebt
  • Nachweis der Kenntnis der deutschen Sprache
  • ununterbrochener Hauptwohnsitz in Österreich unmittelbar vor der Verleihung der Staatsbürgerschaft

Zahl der Einbürgerungen in Österreich

 

 

 

 

Während es im Jahr 2003 einen Höhepunkt von 45.112 Einbürgerungen gab, sank die Zahl der Einbürgerungen aufgrund gesetzlicher Änderungen seither.

(Quelle: Migration und Integration 2016)

Literatur und Quellen:
www.unhcr.at/grundlagen/staatenlosigkeit.html
www.help.gv.at
www.statistik.at
www.migration-info.de
www.botschaft-frankreich.de
www.auswaertiges-amt.de
Wolfgang Ismayr (Hrsg.): Die politischen Systeme Osteuropas, 3., aktualisierte und erweiterte Auflage, Wiesbaden 2010.

© Demokratiezentrum Wien

Hast du gewusst...


... dass in Österreich die Staatsangehörigkeit eines neugeborenen Kindes von der Nationalität der Eltern abhängt, in anderen Ländern aber - etwa im klassischen Einwanderungsland USA - der Geburtsort dafür ausschlaggebend ist? Diese beiden Prinzipien nennt man Territorialprinzip (Geburtsort) und Abstammungsprinzip (Nationalität der Eltern).

Staatsbürgerschaftstest


Teste, ob du die Fragen aus dem österreichischen Staatsbürgerschaftstest beantworten kannst.
→ Zum Test

http:// iiss210.joanneum.at /

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