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"Kampf der Kulturen"?


Betende Muslime (Indonesien),
Quelle: Hasimsyah Samosir/www.sxc.hu

Wer die medial aufbereiteten Auseinandersetzungen und Debatten des Jahres 2006 verfolgte, konnte den Eindruck gewinnen, dass Samuel Huntingtons düstere Vision vom "Clash der Kulturen" Wirklichkeit geworden ist. Religionskritische Äußerungen, Kunstwerke und Zeichnungen aus dem "Westen" sorgten immer wieder bei Muslimen weltweit für Empörung, die sich in zum Teil gewalttätigen Protesten entlud. Zielscheibe waren nur allzu oft christliche Minderheiten und ihre Einrichtungen, womit jene, die hier den Islam zu repräsentieren vorgaben, alle Vorurteile über die Gewalttätigkeit und Irrationalität dieser Religion zu bestätigen schienen. KünstlerInnen sahen sich mit Drohungen radikaler moslemischer Organisationen konfrontiert, und in den medialen Debatten im "Westen" mehrten sich kritische Stimmen, die eine Aushöhlung der Freiheit der Meinung und der Kunst durch übertriebene Rücksichtnahme auf den Islam befürchteten.

Doch auch "der Westen" erfüllte nur allzu oft Klischees, anstatt eine rationale politische Auseinandersetzung zu suchen. Zwischen den Positionen jener, die den Respekt vor religiösen Gefühlen über die Prinzipien der Aufklärung und das Grundrecht auf Meinungsfreiheit stellten, und jenen, denen Kritik am Islam gerade recht kam, um fremdenfeindliche Ressentiments zu legitimieren, blieb wenig Platz für differenzierte Stellungnahmen, die sich dem diskursiven Kurzschluss von Religion, Kultur und Politik entzogen. Dabei ist die Sachlage um vieles komplizierter: Nicht zu Unrecht wurde etwa darauf hingewiesen, dass in dem scheinbaren Respekt, der sich in der Vermeidung jeglicher "Provokation" gegenüber dem Islam äußert, eine Menge Herablassung steckt, und dass gerade säkular orientierte Muslime zu den schärfsten KritikerInnen des politischen Islam und den überzeugtesten VertreterInnen der Werte der Aufklärung zählen. Demgegenüber wird die reale politische Bedrohung durch islamistische Gruppierungen, die jede weltliche Ordnung islamischen Gesetzen unterordnen wollen, in der öffentlichen Debatte sehr rasch zu einer Bedrohung "unserer Kultur" durch "den Islam" umgedeutet. Anstatt den Alleinvertretungsanspruch radikaler Gruppen entschieden zu bestreiten, wird dieser damit bestätigt. Die Rechnung für diese Vereinfachung bezahlen in Europa MigrantInnen – völlig unabhängig davon, ob sie nun gläubige Muslime sind oder nicht.



In dieser Themenstation finden Sie Informationen zu folgenden Debatten:
⇒ zur Absetzung von "Idomeneo" an der Deutschen Oper (Berlin)
⇒ rund um die Rede von Papst Benedikt XVI. in Regensburg
⇒ zum "Karikaturen-Streit"
⇒ als Inszenierung eines "Kampfes der Kulturen"
⇒ und zu den Positionen in der österreichischen Öffentlichkeit

außerdem Hintergrundinformation zum:
Menschenrecht Meinungsfreiheit
⇒ zur Geschichte der Grund- und Menschenrechte
⇒ zu Menschenrechten auf internationaler Ebene
⇒ zur Verankerung von Grund- und Menschenrechten außerhalb Europas
⇒ sowie eine TIMELINE zur Entwicklung und Kodifizierung von Grund- und Menschenrechten



→ weiter zur "Idomeneo"-Debatte

http:// www.demokratiezentrum.org /c3e8f6b5732e91116aae1b2b5131b404/de/startseite/themen/demokratiedebatten/kampf_der_kulturen_/kampf_der_kulturen_.html

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