Hainburg

Konrad-Lorenz Volksbegehren 1984
Überparteiliches Personenkomitee
– zum Teil in Tiermasken –
des Konrad-Lorenz-Volksbegehrens gegen
den Bau des Kraftwerkes Hainburg, 7.5.1984
© Harald Hofmeister, Die Presse
"Es war einer der ersten Fälle, in denen die Demokratie für die Wildnis eintrat." Die Bevölkerung habe sich zum zweiten Mal nach der Zwentendorf-Abstimmung 1978 gegen Regierungsmeinung und Parlamentsmehrheit durchgesetzt, schwärmt Bernhard Lötsch, Direktor des Naturhistorischen Museums und einstiger Au-Besetzer, noch heute.
Hainburg hat für das politische System Österreichs Wesentliches bewirkt. Etwas, das viele Jahrzehnte hindurch unkritisch hingenommen wurde – der Ausbau der Energiegewinnung aus Wasserkraft – das wurde zum großen Thema, zum großen Streit. Ökologie stand gegen Ökonomie, Naturbewahrung gegen Energiegewinnung, Landschaft gegen Beton. Die besonders in Studentenkreisen erstarkende Umweltbewegung und etliche Medien, allen voran die Kronen-Zeitung, begannen eine Kampagne zum Schutz der urtümlichen Aulandschaft mit ihrer in Mitteleuropa einzigartigen Flora und Fauna. Die wachstumsorientierten Sozialpartner – sowohl die Industrie als auch die Gewerkschaften – waren für die Errichtung des Kraftwerks.
Zehntausende demonstrierten gewaltfrei und besetzten die Stopfenreuther Au, um die dort angesetzten Schlägerungen zu verhindern. Zehntausende waren bereit, gegen diese ökologisch motivierten DemonstrantInnen vorzugehen – im Interesse ihrer Arbeitsplätze. Ökologische Argumente setzten sich gegen ökonomische Argumente durch; die wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik erlitt eine Niederlage. Die in der kleinen Koalition mit der FPÖ tonangebende SPÖ gab schließlich nach. 15 Jahre nach Hainburg reflektierte der damalige Bundeskanzler Fred Sinowatz die Entscheidung (Standard, 9.12.1999): "Rein technisch und im Hinblick auf eine erneuerbare Energie wäre das Kraftwerk richtig situiert gewesen. Aber es war nicht durchsetzbar, ohne dass man eine Spaltung innerhalb der Bevölkerung und vor allem bei den jungen Menschen auf sich genommen hätte." Trotzdem blieb der SPÖ bei jungen, umweltbewussten WählerInnen das Image als "Betoniererpartei" erhalten.
Station: Hainburg (Last update: 02/2006)








