Am runden Tisch

Sozialpartnerschaft
Treffen der Sozialpartnervertreter
der paritätischen Kommission, 19. April 1973
© Rudolf Blaha
Die Sozialpartnerschaft, die starken gesamtgesellschaftlichen Einfluss erreichte und als ein bewahrendes Element der österreichischen politischen Kultur bezeichnet werden kann, begann in den 1980er Jahren zunehmend an positiver Akzeptanz in der Öffentlichkeit zu verlieren. Die Infragestellung der Pflichtmitgliedschaft und die sinkende Wahlbeteiligung bei Kammerwahlen sind Indikatoren für den Bedeutungsverlust der Sozialpartner. Was Budgetkonsolidierung, Wirtschaftsstandortsicherung und die Schaffung günstiger Bedingungen für Unternehmen betraf, konnten die UnternehmerInnenorganisationen ihren Einfluss weitgehend wahren. Ihre Vorstellungen standen in den letzten Jahren weit mehr im Einklang mit den Regierungsplänen als jene der Gewerkschaften. Das entspricht einem gesamteuropäischen Trend. Die Aktivitäten der Gewerkschaften laufen demgegenüber zunehmend darauf hinaus, eher defensiv negative Entwicklungen im Bereich der Einkommen, der sozialstaatlichen Absicherung und der Arbeitsbedingungen zu verhindern bzw. abzuschwächen.
Doch ist das Instrument der Sozialpartnerschaft überhaupt noch zeitgemäß? Oder ist eine Neudefinition erforderlich? Österreich ist heute Teil des großen Wirtschaftsraumes Europa und damit auch gezwungen, sich an den hier geltenden Spielregeln zu orientieren. Die Globalisierungsdynamik, die die Märkte – und damit auch die Arbeitsmärkte – erfasst, setzt sozialpartnerschaftlichen Übereinkünften Grenzen. Und auch das Verhältnis zwischen ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen unterliegt einem Wandel. UnternehmerInnen, die nicht auf die Bedürfnisse ihrer MitarbeiterInnen eingehen, oder MitarbeiterInnen, die nicht wirtschaftlich denken, haben es in der "New Economy" schwer.
Was ist mit all den "neuen UnternehmerInnen", den "Freien" und "FreiberuflerInnen", deren Zahl ständig steigt? Entspricht die klassische Interessensvertretung ihren Erwartungen und Bedürfnissen? Wird die Bedeutung transnationaler Interessensvertretungen zunehmen?
Fragen über Fragen: Faktum ist, dass eine demokratiepolitisch legitimierte Interessensvertretung auf europäischer Ebene immer wichtiger wird. In welcher Form oder in welchem Modell auch immer.
(Last Update: 02/2006)






