Sudetendeutsche Heimatfront (SHF) / Sudetendeutsche Partei
Nach dem Machtantritt der NSDAP in Deutschland verkündeten die sich an Hitler orientierenden sudetendeutschen faschistischen Parteien, die "Deutsche Nationalpartei" (DNP) und die "Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei" (DNSAP), offen, dass es ihr Ziel sei, die sudetendeutschen Gebiete dem "Deutschen Reich" anzugliedern, worauf sie verboten wurden. Akkordiert mit Hitler wurde darauf die sich als überparteilich ausgebende Sammelbewegung "Sudetendeutsche Heimatfront" (SHF), ab 1935 Sudetendeutsche Partei" unter dem Turmlehrer Konrad Henlein ins Leben gerufen. Sie bemühte sich anfangs den Anschein zu erwecken, eine selbständige, nicht von den Nationalsozialisten in Berlin gesteuerte Organisation zu sein, verfolgte im Laufe der Zeit aber immer offenkundiger die Politik Hitlers, von dem sie auch finanziell unterstützt wurde. Bei den Wahlen vom 19. Mai 1935 wurde sie mit 1,2 Millionen Stimmen und 15,2 Prozent WählerInnenanteil zur stärksten Partei in der Tschechoslowakei und hatte mit 44 Mandaten im Parlament nur ein Mandat weniger als die führende tschechische Partei der Agrarier. Von den deutschen WählerInnen konnte sie etwas mehr als zwei Drittel auf sich vereinigen; bei den Wahlen von Mai 1938 erreichte sie 91 Prozent aller deutschen Stimmen (750.000 von 824 Stimmen). In Folge stellte sie immer weitreichendere (Autonomie-) Forderungen an die Prager Regierung und brach am 13.9. die Verhandlungen mit der tschechoslowakischen Regierung ab, nachdem Hitler auf dem Reichsparteitag seine Unterstützung für die Sudetendeutschen erklärt hatte. Hierauf wurde die Sudetendeutsche Partei am 16.9. verboten. Henlein veranlasste daraufhin den Grenzübertritt seiner Partei nach Bayern und wandte sich mit einer Proklamation an "das Sudetendeutschtum, an das deutsche Volk und die gesamte Welt": Seine politischen Bemühungen um "einen ehrlichen und gerechten Ausgleich" seien am tschechischen "unversöhnlichen Vernichtungswillen gescheitert". Im Namen der Sudetendeutschen erklärte er "Wir wollen heim ins Reich!" und formierte aus seinen aufgehetzten und nach Deutschland strömenden AnhängerInnen einen paramilitärischen Verband (Sudetendeutsches Freikorps), dessen Mitglieder Adolf Hitler ihre Treue schworen und in den zwei Wochen vor dem Münchner Abkommen an die 300 "Aktionen" von Deutschland aus in der Tschechoslowakei durchführten. Im Münchner Abkommen vom 30.9.1938 wurde schließlich der Anschluss der überwiegend von Deutschen bewohnten Randgebiete an das "Deutsche Reich" beschlossen; Konrad Henlein, Führer der ehemaligen "Sudetendeutschen Partei", wurde (bis 1945) Gauleiter der NSDAP und Reichsstatthalter im Sudetenland und beging 1945 in amerikanischer Kriegsgefangenschaft Selbstmord.(Quelle: Hahn, Eva / Hahn, Hans Henning, "Wir wollen heim ins Reich!" Die Sudetendeutsche Landsmannschaft und ihre ungeklärte Tradition, in: Die Zeit, Nr. 8 2002; Hautmann, Hans, Betrifft Beneš-Dekrete. Zum historischen Verständnis von Tschechen und Deutschen. Vortrag in der Friedenswerkstatt Linz, 29. März 2001; Hautmann, Hans, Anmerkungen zu den "Beneš-Dekreten", in: guernica. guernica. Zeitung der Friedenswerkstätte Linz, Nr. 1/2001)

