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Stammtisch


Helmut Qualtinger als Herr Karl
Mit dem Herrn Karl haben Carl Merz
und Helmut Qualtinger eine Figur
geschaffen, die es verstanden hat,
sich mit allen Regimen zu arrangieren
und die sich trotzdem ständig als
Opfer empfindet. Das Stück ist eine der
beeindruckenden Abrechnungen mit
dem politischen Opportunismus und
dem Mitläufertum in der Nazizeit.
© Votava, Wien
Was ist Populismus? Demagogie oder die Kunst, populär zu sein? Wahrscheinlich lautet die Antwort sowohl als auch. Denn Populismus ist ein janusköpfiges Phänomen. Zum einen bezeichnet der Populismus in seiner ursprünglichen Bedeutung Protest-, Verweigerungs- und Emanzipationsbewegungen benachteiligter Bevölkerungsgruppen. Zum anderen steht er aber auch für demagogische Versuche, sich dem Volk anzubiedern und so eine Politik durchzusetzen, die mit den Menschenrechten in Konflikt geraten kann. Unterschieden wird deshalb oft zwischen einem Rechtspopulismus und einem Linkspopulismus oder zwischen einem Populismus von "oben" als Machtstrategie und einem Populismus von "unten", der neue politische Bewegungen hervorbringen kann.

"Populäre, erfolgreiche mediale oder politische Angebote knüpfen an Alltagserfahrungen und Alltagsgespräche an – am Stammtisch, in der Nachbarschaft oder im Fußballverein", meint Elisabeth Klaus (in: Medienjournal Nr. 3/ 2000, S. 54 ). Auch der Begriff "populär" ist so janusköpfig wie der Populismusbegriff. Negativ formuliert bedeutet "populär" das "Hinterherlaufen" und sich gemein machen mit der Meinung des "Volkes", das Streben nach Zustimmung um jeden Preis. Positiv betrachtet, bedeutet das Aufgreifen populärer Themen ein "Ernstnehmen der Alltagssorgen der Menschen". Aufklärerischen Charakter kann "populäre Politik" dann haben, wenn es gelingt, Informationen so zu vermitteln, dass sie Menschen zur Teilnahme am Politischen befähigen.

Meist gibt es für komplexe Probleme keine einfachen Lösungen. Deshalb gerät der Populismus, ob von rechts oder links, schnell unter Verdacht, Vereinfachung zu betreiben. Und: einfache Antworten setzen doch "einfache Leute" voraus. In einem solchen Szenario gibt es keinen Platz für mündige Bürger, die sich selbst ein Bild machen. Wie volksnah "Politik im Boulevardformat" auch immer sein mag, mit "Volksbildung" im klassischen Sinn hat diese nichts zu tun.

Politische Botschaften lassen sich am besten von Personen mit "television personality" verkaufen. Telegenität wird damit zum wichtigsten politischen Kapital. Der Kampf um die "Meinungsfront" erfordert die Produktion medienwirksamer "Sager" und rascher Themenwechsel. Unterhaltungs-Gags, oft auch unterhalb der Gürtellinie, das Ausreizen von Tabu-Brüchen und das Spielen mit Emotionen – all das wird inszeniert und gehört zum politischen Geschäft. Wichtiger als Wort und Text ist die optische Botschaft, die Herrschaft über die Bilder, die bewegen.

Station: Stammtisch (Last update: 02/2006)

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