Demokratisierung in den 1960er und 1970er Jahren
1966:Erste Alleinregierung in Österreich. Josef Klaus, der für eine "Versachlichung der Politik" eintritt, bildet eine ÖVP-Regierung. Sie löst das "verkrustete" System der Großen Koalition ab. Die österreichischen WählerInnen sind in Bewegung. Traditionelle Parteibindungen beginnen sich langsam aufzulösen.
Hochkonjunktur und Vollbeschäftigung in der Wirtschaft.
1968:
Weltweite Studentenunruhen. Die Studierenden rebellieren gegen den Krieg der USA in Vietnam und gegen autoritäre Strukturen in der Gesellschaft. Sie fordern mehr Mitsprachemöglichkeiten und Demokratie. Neue Formen im Zusammenleben (Wohngemeinschaften etc.) werden ausprobiert.

Demonstration sozialistischer StudentInnen in, 12.4.1968
© Votava, Wien
1970/71:
Bei den Nationalratswahlen 1970 und 1971 wird die SPÖ unter Bruno Kreisky zur stärksten Partei. Sie gewinnt den Wahlkampf v.a. durch ihren Anspruch auf eine Modernisierung Österreichs und bildet zunächst eine Minderheitsregierung (1970), ab 1971 kann sie mit einer absoluten Mehrheit regieren.

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Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 1. März 1970.
Quelle: Plakatdokumentation Kunisch
1971:
1971:
Liberalisierung im Strafrecht ("kleine Strafrechtsreform"): Die Homosexualität unter Erwachsenen ist nicht mehr strafbar.

Frauen demonstrieren für das Recht auf straffreie Abtreibung und für Gleichberechtigung, 7. Mai 1971.
© Votava, Wien
Chancengleichheit im Bildungsbereich: Die Schülerfreifahrt wird eingeführt.
1972:
Chancengleichheit im Bildungsbereich: Die Aufnahmeprüfungen an den AHS wird abgeschafft, kostenlosen Schulbücher werden eingeführt.
Die Aktion unabhängiger Frauen (AUF) (eine parteiunabhängige Frauengruppe wird gegründet. Sie tritt u.a. für eine Entkriminalisierung der Schwangerschaftsunterbrechung ein und macht deutlich, dass auch das Private politisch ist.
1973:
Ölpreisschock: Die weltweite Wirtschaftslage verschlechtert sich. In Österreich wird die Erhaltung der Vollbeschäftigung als wichtigstes politisches Ziel erklärt, für das das auch Schulden in Kauf genommen werden.
1974:
Demokratisierung in der Schule: Ein neues Schulorganisationsgesetz tritt in Kraft, das die Mitsprachemöglichkeiten von Eltern und SchülerInnen (durch einen Schulgemeinschaftsausschuss) stärkt; die Funktion des/der Klassensprechers/Klassensprecherin wird eingeführt; die Betragensnoten werden ab der 7. Schulstufe abgeschafft.
1975:
Liberalisierung im Strafrecht (große Strafrechtsreform): Ein neues Strafrecht tritt in Kraft, das eine Zurückdrängung der Freiheitsstrafe und eine leichtere Wiedereingliederung der RechtsbrecherInnen vorsieht. Die Schwangerschaftsunterbrechung ist nun in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten straffrei.

Titelblatt der Zeitschrift "Solidarität", 1976
© Erich Frankl
Gleichstellung der Frau im Familienrecht: Mit der Neuordnung der persönlichen Rechtswirkungen der Ehe wird die Partnerschaft in der Ehe verankert.
Demokratisierung an den Universitäten: Das neue Universitätsorganisationsgesetz bringt den StudentInnen ein Mitspracherecht an den Universitäten.
Einführung der Koedukation an Österreichs Schulen: Jungen und Mädchen können ab nun gemeinsam unterrichtet werden.
Wahlsieg der SPÖ: Bei den Nationalratswahlen erringt die SPÖ neuerlich die absolute Stimmen- und Mandatsmehrheit.
1979:
Wahlsieg der SPÖ: Bei den Nationalratswahlen erringt die SPÖ neuerlich die absolute Stimmen- und Mandatsmehrheit.
1983:
Bei den Nationalratswahlen verliert die SPÖ die absolute Stimmen- und Mandatsmehrheit. Die "Ära Kreisky" geht zu Ende. Die SPÖ bildet eine kleine Koalition mit der FPÖ. Nachdem besonders die frühen 1970er Jahre durch zahlreiche Reformen gekennzeichnet waren, gatte die SPÖ ab Mitte der 1970er an Reformelan verloren.
Quellen: Fischer, Heinz, Die Kreisky-Jahre 1967-1983, Wien 1993, Wirth, Maria, Demokratiereform – Diskussion und Reformen in der Zeit der Alleinregierungen Klaus und Kreisky 1966-1983, Dipl.-Arb., Wien 1997.

