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Vortrag: Auf dem Weg in das globale US-Mediensystem?

Jo Groebel

Eine Woche der herausragenden Ereignisse. Auch eine Woche globaler Bilder? Regierungskrise in Österreich. Schafft' s vielleicht über die Grenze. Letztes Fernsehduell in Deutschland. Wird in ein paar Ländern zur Kenntnis genommen. Jahrestag des 9-11. Geht um die Welt. Sicher, weil Ereignisse in den USA und selbstverständlich der Terroranschlag viel größere internationale Auswirkungen haben als das, was in Deutschland oder Österreich geschieht. Aber auch, weil die USA die Definitionsmacht über Bilder in Unterhaltung und Information innehaben, ja, weil nur da, wo "starke" Bilder gegeben sind, auch bleibende Eindrücke entstehen. Und Krieg und Terror sind visuell viel stärker als Frieden und Verhandlung.

Gleichzeitig sind die USA, sind ihre Mythen und Ikonen durchaus unfreiwillig zu einer globalen Projektionsfläche für Hass und Neid, für Verehrung und Identifikation geworden. Kaum waren nach dem 11. September 2001 die ersten Stunden der Sprach- und Fassungslosigkeit verstrichen, sagten die aus allen Ländern eintrudelnden Reaktionen vermutlich mehr über deren Absender aus als über das Ereignis selbst.

Da wurde die Bekämpfung der Armut als vermeintliche Ursache des Terrors beschworen, frei nach dem Motto "Blame the Victim". Neid? Schadenfreude? Da wurden weltweit auch unzählige Menschen vorübergehend zu "Amerikanern", schien es an der Zeit, die westliche Zivilisation zu verteidigen. Bewunderung? Identitätssehnsucht?

Gemein ist all diesen Tendenzen, dass sie auf durchaus amerikanische Weise pragmatische Nüchternheit mit spontaner Leidenschaft kombinierten. Und genau das ist die Stärke und zugleich die Schwäche der amerikanisierten und globalisierten Medien- und Bilderkultur in Zeiten der Krise: Sie hat eine unbändige kulturelle Projektions- und Integrationskraft. Basierend auf einer europäisch-aufklärerisch geprägten Verfassung der Freiheit und Gleichheit hat das Land die Kulturen der Erde erst aufgenommen, dann integriert und als neue Mischung der Welt in Populärkultur und gemeinsamen Codes wieder zurückgegeben.

Während sich Europäer noch Multikulti-Träumen hingeben, dann aber doch zurückschrecken, sind die USA eben nicht ein homogener Block, der mit Bush oder einer Ostküstenelite identisch wäre. Nein, aus der Notwendigkeit heraus, eine vereinigende Sprache zu schaffen, entstand eine Bilder- und Symbolwelt der Vereinfachung und Zuspitzung, aber gespeist aus vielen Quellen. Sie scheut nicht das Klischee, ist eher emotional als rational, aber eben auch universal und nach innen offen. So geht die vielgescholtene Wirtschaft, Militär- und Politikdominanz einher mit einer hohen Kommunikationskraft.

Zugleich ist ihr zu eigen, was viele nach innen gerichtete soziale Systeme auszeichnet – eine geringe kulturelle Empathie nach außen. Und also reibt sich die Welt zwischen Bewunderung und Ablehnung an den wirkungsmächtigen globalen Bildern amerikanischer Provenienz. Solange es um Hollywood oder um MTV geht, bringt diese Globalisierung potenziell mehr Völkerverständigung. Solange es um die insgesamt doch eher nüchtern gewordene CNN-Berichterstattung geht, ebenfalls. Beunruhigend ist, dass in Teilen der unbestechliche Journalismus angelsächsischer Tradition durch einen subjektiven des Krieges ersetzt wurde, durch Patriotismus und Sentiment.

Bilder, das belegt der 11. September, sind emotionaler als Worte und sie sind nachhaltiger. Das Ereignis hat uns visuell berührt, hat uns zusammen gebracht. Aber es besteht die Gefahr, dass unter Druck die globale Informationsgesellschaft das Zeitalter der Aufklärung verlässt und nicht mehr Sachargumente, sondern Stimmungen zunehmend die Politik prägen.

Kriegsbilder ersetzen die Diplomatie, weil sie die Seele, die Empörung ansprechen. Krisen fördern die Sehnsucht nach einfachen Lösungen. Und so könnte die Stärke der Bilder des 11. September, ihre Eindringlichkeit, ihre Unmittelbarkeit, langfristig zu einer Schwäche werden. Dann nämlich, wenn ihre emotionale Nachhaltigkeit zur populistischen Begründung für Militäraktionen mit unabsehbaren Konsequenzen würde.

Globalisierung und Amerikanisierung sind nicht negativ, wenn sie für internationale Kommunikation, wenn sie für die Idee der Freiheit und Gleichheit stehen. Und wenn die USA einige dieser Impulse auf internationaler Ebene aufnehmen, die sie selbst mit ihren Medien der Welt gegeben haben. Selbst zwischen der amerikanischen und der arabischen Bildersprache gibt es, das lässt hoffen, Annäherungen durch die modernen Kommunikationsmittel.

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