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Sudetenfrage und Beneš-Dekrete: Möglichkeiten der Konfliktregelung

Peter Becher, München

Wenn sich die Stimmungslage so verschlechtert wie in den deutsch-tschechischen und österreichisch-tschechischen Beziehungen der vergangenen Monate, lassen sich typische Phänomene beobachten. Einerseits werden die Beziehungen auf den Kern des Gegensatzes reduziert und alle anderen Ebenen vernachlässigt, andererseits wird das alte Bild des Täters, des Schuldigen, aktiviert, das Bild feindlicher Heere, das Szenario des show-down.

Über die Beneš-Dekrete und die Sudetenfrage zu diskutieren und nach Möglichkeiten der Konfliktregelung zu suchen, erfordert jedoch, sich nicht von der Betroffenheit hinreißen zu lassen, sondern zu fragen, wie es dazu kommen konnte, was wir versäumt haben und was wir tun können. Konfliktregelung ist nicht allein und naiv gesehen eine Angelegenheit des guten Willens, dem böse Absichten entgegenstehen. Konfliktregelung hat mit der Beachtung von Interessen, mit der Wahrung der Gesichter und mit pragmatischen Kompromissen zu tun.

Dabei gilt es verschiedene Zusammenhänge zu beachten. So zum Beispiel die Grundmuster der Kommunikation, die sich sowohl im Konflikt, wie auch in der Kooperation manifestieren. So die Bedeutung von gegenseitiger Achtung, offenem Dialog und Wahrung des Sicherheitsbedürfnisses, drei Aspekte, die um so wichtiger sind je größer der Unterschied zwischen den Partnern ist. So den Kontextwandel der 90er Jahre, der bei tschechischen Politikern den Eindruck einer wachsenden Bedrohung ihrer nationalen Interessen erweckt. So das uneingestandene Dreieck der Beziehungen, das bei sudetendeutschen Politikern den Eindruck verstärkt, von der Verhandlung über ihr eigenes Anliegen ausgeschlossen zu sein, weil sie nur Vertreter von Verbänden, nicht aber einer Regierung sind.

Eine pragmatische Konfliktregelung muss diesen Zusammenhängen Rechnung tragen. Verständigung kann nur in direkten Gesprächen erfolgen. Sudetendeutsche und tschechische Politiker sollten eine Plattform der Begegnung entwickeln, die kein Thema tabuisiert. Das deutsch-tschechische Gesprächsforum hat in dieser Hinsicht versagt. Die Verbindung der Diskussion über die Beneš-Dekrete mit dem EU-Beitritt verletzt das tschechische Sicherheitsbedürfnis und verschärft daher den Konflikt. Die Sicherheit, welche die EU insbesondere den kleinere Mitgliedstaaten verbürgt, stellt den geeigneten Rahmen für eine moralische Bewertung der Dekrete dar, die nicht die nationale Integrität berührt.

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