Ausgrenzung und Vertreibung der Ungarn aus der Tschechoslowakei
István Deák, New YorkHeute bildet die Vertreibung von Ungarn aus der Nachkriegs-Tschechoslowakei einen integralen Bestandteil des ungarischen historischen Gedächtnisses und hat sogar Eingang in die Schulbücher gefunden. Sicherlich ist es richtig, dass es keine so umfassende Vertreibung war, wie sie die deutschsprachige Bevölkerung der Tschechoslowakei betroffen hatte.
Das bedeutet aber nicht, dass die Tschechoslowakei, besonders die slowakischen Behörden, nicht alles daran gesetzt haben, ihre ungarischen Mitbürger los zu werden. Das heißt nur, dass zum Unterschied von den Deutschen, die Westalliierten, insbesondere die Vereinigten Staaten von Amerika, die Vertreibung der Ungarn verhindert haben. Hingegen bedeutet das Fehlen einer totalen Vertreibung nicht, dass die ungarische Minderheit nicht in den Jahren 1944 – 1948 verfolgt wurde; das Gegenteil war der Fall. Ihre Unterdrückung wurde auf die selbe Art und Weise durchgeführt, mit Heuchelei, Fanatismus und Brutalität wie bei vielen anderen Verfolgungen in einem Zeitalter, als ethnische Verfolgung, Vertreibung und Deportation zum Alltag gehörten.
Was die Sache noch schlimmer machte, war, dass die tschechoslowakischen Behörden und die Medien ihre ungarischen Opfer kollektiv als Eindringlinge und Faschisten brandmarkten, obwohl es in der Realität hauptsächlich apolitische Bauern waren, deren Vorfahren in dieser Gegend seit undenklichen Zeiten wohnten. Im besten Fall behaupteten die Behörden, dass die Ungarn entfremdete Slowaken seien, deren gewaltsame Resozialisierung in die slowakische ethnische Gruppe eine der wichtigsten Regierungsaufgaben sei.
Was ich daher in meinem kurzen Vortrag zu zeigen versuchen werde, ist, dass wohl die Verfolgung im Namen der Demokratie und im Kampf gegen den Faschismus stattgefunden hat. Das wahre Ziel der tschechoslowakischen Führung war aber die Schaffung eines reinen slawischen Staates, in dem es keinen Raum für Nicht-Slawen gab, gleich, ob es Faschisten, Nicht-Faschisten oder Eindringlinge waren oder ob sie zu den wahren "Eingeborenen" gehörten. Aufgrund des vorhin gesagten, war die Verfolgung der ungarischen Minderheit in der Slowakei Teil des Strebens nach ethnischer "Reinigung" und nach "Flurbereinigung", wie es SS-Führer Heinrich Himmler formulierte, die von den deutschen Nationalsozialisten begangen wurde, aber auch von dutzenden europäischen Regierungen in dieser Zeit ebenso praktiziert wurde. Aus einer längeren historischen Perspektive gesehen, bildet die Tschechoslowakische Politik somit Teil eines 150jährigen europäischen Trends in Richtung ethnischer Säuberung.

