Communicating Europe
Die Europäische Union - Imagined Community und demokratische HandlungsfelderPodiumsdiskussion und Workshop veranstaltet von der Kommission für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und dem Demokratiezentrum Wien
Podiumsdiskussion:
Zeit: 27. Mai 2004, 18.00 Uhr
Ort: Theatersaal der ÖAW, Sonnenfelsgasse 19, 1010 Wien
Workshop:
Zeit: 28. Mai 2004, 9.00-17.30 Uhr
Ort: Clubraum, Hauptgebäude der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien
Zur Konzeption der Veranstaltung (Podiumsdiskussion und Workshop)
Die EU-Integration ist nicht allein ein politisch-ökonomischer, sondern vor allem auch ein mentaler Prozess. Die Herausbildung einer kollektiven europäischen Identität ("Wir Europäer") scheint derzeit allerdings ein Problemfeld zu sein - entsprechende Bemühungen auf EU-Ebene, nicht nur die rationale, sondern auch die emotionale Ebene anzusprechen, d.h. ein europäisches "Wir"-Gefühl zu bestärken bzw. zu generieren, zeigen wenig Wirkungskraft. Der Rückgriff auf die seit dem 19. Jahrhundert selbstverständlich gewordenen "tools" nationaler Identitätsbildung – Symbole und Rituale des Nationalen wie Fahne, Hymne, Feiertage, Gedächtnisorte etc. - scheint auf der Ebene eines supranationalen Staatenverbandes nicht zu greifen.
Kulturwissenschaftliche Perspektiven auf EU-Europa: Europa als "imagined community"
Betrachtet man Kollektive als "imagined communities" (Benedict Anderson), so ist Europa dennoch kein weißer Fleck auf der mentalen Landkarte kollektiver Vorstellungen: Im öffentlichen Kommunikationsraum zirkulieren permanent Narrationen (d.h. diskursive bzw. visuelle Darstellungen) von Europa, die das Denken über dieses Projekt entscheidend prägen.
Die Generierung der kollektiven Vorstellungen über EU-Europa erfolgt allerdings nicht allein oder nicht einmal vorrangig durch jene Texte / Narrative, die gemeinhin als repräsentativ für die Europäische Union angesehen werden (da sie von den repräsentativen politischen Organen der Europäischen Union produziert werden) – Verträge, Gesetzestexte, Verordnungen, offizielle Erklärungen etc. - vielmehr sind es die in der medialen Kommunikation präsenten Darstellungen, von denen die Vorstellungen / Imaginationen über EU-Europa bestimmt werden.
Europa als visuelles Narrativ
Eine besondere Bedeutung nehmen dabei die visuellen Narrative über Europa ein. Auf der Ebene des Visuellen bzw. dessen Kodifizierung als "Symbol" europäischer Identität setzen zum einen die klassischen Formen politischer Selbstdarstellung bzw. von Identitätspolitik an: Werbekampagnen, Geldscheine, Münzen, Briefmarken etc. In diesem Workshop (bzw. im Projekt ICONCLASH) wird die Aufmerksamkeit aber vor allem auf jene scheinbar neutralen, "authentischen" fotografischen Abbildungen der sozialen Wirklichkeit gerichtet, die in den (all-)täglichen medialen surroundings permanent präsent sind bzw. reproduziert werden und die - so die Ausgangsthese von ICONCLASH - Vorstellungen über EU-Europa weitaus stärker prägen als offizielle Darstellungen und Kampagnen zur Stärkung einer europäischen Identität.
Gerade weil die fotografischen Darstellungen der Wirklichkeit in der medialen Wahrnehmung mit dem Versprechen einer unmittelbaren Wiedergabe der Realität (Evidenz) verbunden werden, entfalten sie ein wirkungsmächtiges Potential im Hinblick auf die Generierung von affektiven, emotional getönten Vorstellungen von Europa (im positiven wie im negativen Sinn).
Die Relevanz der "Bilderwelten" zeigt sich nicht zuletzt in der Bedeutung, die "visual studies" in den Geistes- und Kulturwissenschaften gewonnen haben. Der international vieldiskutierte "iconic turn" hat bislang im deutschsprachigen Raum allerdings vorwiegend in der Kunstgeschichte Resonanz gefunden, die Debatte in den Geschichtswissenschaften steht am Beginn, im Feld der "EU-Studies" hat die Relevanz der "visual culture" für die Prägung kollektiver Vorstellungen bzw. Identitäten bislang nahezu keinen Eingang gefunden.
Der Workshop COMMUNICATING EUROPE. DIE EUROPÄISCHE UNION - IMAGINED COMMUNITY UND DEMOKRATISCHE HANDLUNGSFELDER hat sich dahingehend in mehrfacher Hinsicht als Intervention verstanden. Ziel war zum einen, in einem international besetzten, interdisziplinären Workshop die Konsequenzen des lingustic bzw. visual turn für die Geistes-, Kultur und Sozialwissenschaften zu diskutieren - gerade auch im Hinblick auf die Frage nach den "(visuellen) Erzählungen Europas über sich selbst". Zum anderen wurde - in Form einer Podiumsdiskussion, die entsprechend mediale Aufmerksamkeit erzeugt hat (Kooperation mit dem ORF etc.) - der "Stand der Forschung" innerhalb der scientific community einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Kontaktadressen
Forschungsprojekt "Iconclash – Kollektive Bilder und Democratic Governance in Europa"
Demokratiezentrum Wien, Hegelgasse 6/6, 1010 Wien
Gertraud Diendorfer
Tel: 01/512 37 37-11
E-Mail: diendorfer@demokratiezentrum.org
Österreichische Akademie der Wissenschaften,
Kommission für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte
Postgasse 7-9/IV/3, 1010 Wien
Heidemarie Uhl
Tel.: 01/515 81-3618
E-Mail: heidemarie.uhl@oeaw.ac.at

