
Wahlplakat der SPÖ für die Wiener Gemeinderatswahl (und Nationalratswahl) am 23. April 1983
Quelle: Plakatdokumentation Kunisch
Im Vorfeld der Wiener Gemeinderatswahlen vom 23. April 1983 – am selben Tag wurde auch ein neuer Nationalrat gewählt – plakatierte die SPÖ eine Serie von Textplakaten mit dem Slogan "Wien braucht ...". Vor rot-weißem Hintergrund, d.h. vor den Farben des Wiener Stadtwappens, aber auch jenen des SPÖ-Logos, heißt es etwa "Wien braucht Wohnungen" oder "Wien braucht saubere Luft". Weitere Desiderate waren laut Ansicht der SPÖ Arbeit, Sicherheit und Ideen. Aber auch die sanfte Stadterneuerung, die neue U-Bahn, die Vielfalt der Kultur und die Donauinsel wurden in diesem Zusammenhang genannt.
Die Donauinsel ist zwischen 1972 und 1987/1988 durch Aufschüttung im Zuge des Hochwasserschutzes als Naherholungsgebiet für die WienerInnen entstanden. Im Wahlkampf 1983 bewarb die SPÖ diese als Erfolg ihrer Politrik, während die ÖVP als Verhindererin derselben bezeichnet wurde: "Die ÖVP war gegen den Bau der Donauinsel und gefährdet die Fertigstellung durch ihr 'Kürzungspaket'. Die SPÖ garantiert die Fertigstellung der Donauinsel." Auf ihrem Plakat gab die SPÖ den WählerInnen 1983 somit nicht nur die Zusage für die Fertigstellung der "Insel", sondern ließ durch den Slogan "Wien braucht ..." auch durchscheinen, dass sie die Bedürfnisse der WienerInnen besser kenne als die ÖVP.
Plakatiert wurde der Slogan "Wien braucht ..." neben den oben beschriebenen Textplakaten 1983 auch in Zusammenhang mit dem Portrait von SPÖ-Bürgermeister Leopold Gratz – ganz im Sinne der enormen Bedeutung der Personalisierung im Wahlkampf.
Zu den Wiener Gemeinderatswahlen vom 24. April 1983
Bei den Wiener Gemeinderatswahlen vom 24. April 1983 – am selben Tag wurde auch ein neuer Nationalrat gewählt – erreichten die kandidierenden Parteien folgendes Ergebnis:
SPÖ: 532.992 der abgegebenen Simmen (55,52%), 61 Mandate
ÖVP: 334.251 der abgegebenen Stimmen (34,82%), 37 Mandate
FPÖ: 51.767 der abgegebenen Stimmen (5,39%), 2 Mandate
ALW (Alternative Liste Wien): 23.969 der abgegebenen Stimmen (2,5%), 0 Mandate
KPÖ: 10.942 der abgegebenen Stimmen (1,14%), 0 Mandate
WBU (Wahlgemeinschaft für Bürgerinitiativen und Umweltschutz): 6.144 der abgegebenen Stimmen (0,65%), 0 Mandate
Den Einzug in den Wiener Gemeinderat schafften somit SPÖ, ÖVP und FPÖ. Die kandidierenden Grünparteien, ALW und WBU erreichten nicht die erforderliche Stimmenanzahl. Wahlgewinnerin war die ÖVP. Wie bereits 1978 konnte sie auch 1983 ein Stimmenplus verzeichnen (1978 plus 4,5% der abgegebenen Stimmen und plus 4 Mandate gegenüber den Wahlen von 1973, 1983 plus 1% der abgegebenen Stimmen und 2 Mandate gegenüber den Wahlen von 1978), was in erster Linie auf die Reformpolitik des neuen Parteiobmanns Erhard Busek – er war von 1976 bis 1989 Landesparteiobmann der Wiener ÖVP – und das neue, offene und liberale Erscheinungsbild der ÖVP zurückführbar ist. Die SPÖ (1978 minus 3% der Stimmen bzw. minus 4 Mandate, 1983 minus 1,7% der abgegebenen Stimmen bzw. minus 2 Mandate) musste hingegen Stimmeneinbußen hinnehmen, wie auch die FPÖ (1978 minus 1,2% der Stimmen aber unverändert 3 Mandate, 1983 minus 1,7% der abgegebenen Stimmen und minus 1 Mandat).
Quelle: Rauchenberger, Josef, Stichwort Demokratie. 50 Jahre Zeitgeschehen, Wien 1994; http://www.aeiou.at (27.3.2007)

