
Wahlplakat der SPÖ für die Wiener Gemeinderatswahl vom 17. Oktober 1954
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung
Bei den Wiener Gemeinderatswahlen vom 17. Oktober 1954 warb die SPÖ damit, dass "Wien wieder Weltstadt" werden muss. Affichiert wurden die städtebaulichen Errungenschaften des Wien der 1950er Jahren, die dazu beitragen sollten, dass Wien den Anschluss an die Moderne schafft: den 1955 nach Plänen von Erich Boltenstein fertig gestellten Ringturm am Donaukanal (Baubeginn 1953) als erstes Wiener Hochhaus, das diesem Namen gerecht wird, sowie die 1958 nach Plänen von Rainer Rainer eröffnete Stadthalle (Baubeginn 1955).
Diese beiden Bauwerke sollten wie auch die neuen Wiener Bahnhöfe (West- und Südbahnhof), die Opernpasse, die Passage am Schottentor etc. dazu beitragen, dass Wien städtebaulich eine Erneuerung findet und wieder zu einer Weltstadt von internationaler Bedeutung wird. Auf dem Plakat wird der Wunsch nach dem Anschluss an das internationale Leben auch durch die Abbildung eines Flugzeugs über Wien visualisiert.
Bei der Eröffnung der neuen Wiener Stadthalle hatte Bürgermeister Franz Jonas die Bestrebungen, Wien wieder zu einer Großstadt zu machen, folgendermaßen formuliert: "dass das größte Bauwerk Wiens nach dem Zweiten Weltkrieg ... ein Besonders deutliches Zeichen der energischen Bemühungen Wiens sei, der österreichischen Bundeshauptstadt erhöhte internationale Bedeutung zu verleihen und sie in die Reihe der Weltstädte einzugliedern" (zitiert nach: Bihl/Meiß/Musner, Vom Kriegsende 1945 bis zur Gegenwart, S. 758). Neuerlich aufgegriffen wurde das Thema Weltstadt Wien von der SPÖ im Gemeinderatswahlkampf 1959.
Zu den Wiener Gemeinderatswahlen vom 17. Oktober 1954:
Bei den Wiener Gemeinderatswahlen vom 17. Oktober 1954 erzielten die einzelnen Parteien folgendes Ergebnis:
SPÖ 568.266 der abgegebenen Stimmen (52,67%) und 59 Mandate
ÖVP 357.944 der abgegebenen Stimmen (33,14%) und 35 Mandate
VO (Volksopposition, Wahlbündnis, an dem die Kommunisten und Linkssozialisten beteiligt waren) 89.161 der abgegebenen Stimmen (8,26%) und 6 Mandate
WdU/VdU (Wahlverband/Verband der Unabhängigen) 50.002 der abgegebenen Stimmen (4,63%) und 0 Mandate.
Nachdem der VdU 1949 mit 6 Mandaten den Einzug in den Wiener Gemeinderat geschafft hatte, flog er somit aus diesem heraus. Mitschuld hieran sind die innerparteilichen Differenzen im VdU, v.a. Konflikte des Wiener VdU mit der Bundesparteiführung.
Literatur: Bihl, Gustav / Meißl, Gerhard /Musner, Lutz, Vom Kriegsende 1945 bis zur Gegenwart, in: Csendes, Peter / Oppl, Ferdinand (Hg.), Wien. Geschichte einer Stadt (band 3: Von 1790 bis zur Gegenwart, Wien/Köln/Weimar 2006, S. 545-819.
Rauchenberger, Josef, Stichwort Demokratie. 50 Jahre Zeitgeschehen, Wien 1994.

