
Wahlplakat der ÖVP für die Wiener Gemeinderatswahl (und Nationalratswahl) am 23. April 1983
Quelle: Plakatdokumentation Kunisch
Der Wahlkampf der Wiener ÖVP 1983 war von Erhard Buseks "bunten Vögeln" geprägt. Sie fungieren auf den Wahlplakaten der Partei als Proponenten der Erneuerung und stehen nicht selten grau-schwarzen Sauriern – als Repräsentanten der die Stadtregierung bildenden SPÖ – gegenüber, die Stillstand und Unbeweglichkeit symbolisieren.
"Die bunten Vögel" Buseks verliehen der ÖVP ein neues, lebensfrohes, junges und dynamisches Erscheinungsbild, inhaltlich fokussieren die Plakate "die Stadt der Menschen". Wichtige Themen im Wahlkampf waren der Umweltschutz und die Stadterneuerung, aber auch ein Ausbau der direkten Demokratie wurde von Busek und seinem Team angesprochen. Auf den Plakaten der Partei heißt es etwa "Gärten statt Autobahnen", "Volksabstimmung über jedes Großprojekt", "nein zum Atomstaat" und "Arbeit durch Stadtreparatur". Wie am abgebildeten Plakat deutlich wird, betonte Busek in der Wohnungspolitik somit den Vorrang qualitativer Stadterneuerung, die zudem Arbeitsplätze schaffe, vor purer quantitativer Stadterweiterung. Propagiert wurden Themen, die von den neu aufkommenden Grün-Parteien in Anspruch genommen werden. In Wien wurden sie – zumindest vorerst – aber erfolgreicher von der ÖVP unter Erhard Busek besetzt.
Zu den Wiener Gemeinderatswahlen vom 24. April 1983
Bei den Wiener Gemeinderatswahlen vom 24. April 1983 – am selben Tag wurde auch ein neuer Nationalrat gewählt – erreichten die kandidierenden Parteien folgendes Ergebnis:
SPÖ: 532.992 der abgegebenen Simmen (55,52%), 61 Mandate
ÖVP: 334.251 der abgegebenen Stimmen (34,82%), 37 Mandate
FPÖ: 51.767 der abgegebenen Stimmen (5,39%), 2 Mandate
ALW (Alternative Liste Wien): 23.969 der abgegebenen Stimmen (2,5%), 0 Mandate
KPÖ: 10.942 der abgegebenen Stimmen (1,14%), 0 Mandate
WBU (Wahlgemeinschaft für Bürgerinitiativen und Umweltschutz): 6.144 der abgegebenen Stimmen (0,65%), 0 Mandate
Den Einzug in den Wiener Gemeinderat schafften somit SPÖ, ÖVP und FPÖ. Die kandidierenden Grünparteien, ALW und WBU erreichten nicht die erforderliche Stimmenanzahl. Wahlgewinnerin war die ÖVP. Wie bereits 1978 konnte sie auch 1983 ein Stimmenplus verzeichnen (1978 plus 4,5% der abgegebenen Stimmen und plus 4 Mandate gegenüber den Wahlen von 1973, 1983 plus 1% der abgegebenen Stimmen und 2 Mandate gegenüber den Wahlen von 1978), was in erster Linie auf die Reformpolitik des neuen Parteiobmanns Erhard Busek – er war von 1976 bis 1989 Landesparteiobmann der Wiener ÖVP – und das neue, offene und liberale Erscheinungsbild der ÖVP zurückführbar ist. Die SPÖ (1978 minus 3% der Stimmen bzw. minus 4 Mandate, 1983 minus 1,7% der abgegebenen Stimmen bzw. minus 2 Mandate) musste hingegen Stimmeneinbußen hinnehmen, wie auch die FPÖ (1978 minus 1,2% der Stimmen aber unverändert 3 Mandate, 1983 minus 1,7% der abgegebenen Stimmen und minus 1 Mandat).
Quelle: Rauchenberger, Josef, Stichwort Demokratie. 50 Jahre Zeitgeschehen, Wien 1994.

