Der Streit um die Erinnerung

Statue von Imre Nagy
Quelle: www.19562006.hu

Der feierlichen Beisetzung Imre Nagys im Jahr 1989 folgte die Ausrufung der Republik am 23. Oktober desselben Jahres. Im ersten von der Republik erlassenen Gesetz, das den 23. Oktober zum Nationalfeiertag erklärte, wird "die Erinnerung an die Revolution und den Freiheitskampf von 1956“ verewigt – doch der Kampf um die Deutung der Ereignisse war damit erst eröffnet.
Hatten sich noch Mitte der 1980er Jahre anlässlich des 30. Jahrestages des Aufstandes verschiedene oppositionellen Gruppen zu einer gemeinsamen illegalen Konferenz, die sich gegen die offizielle Interpretation der Ereignisse als Konterrevolution richtete, zusammengefunden, wurden die Brüche mit dem Wegfallen des kommunistischen Konterparts offensichtlich. (Ehemalige) ReformkommunistInnen und Revolutionäre SozialistInnen, die die Geschehnisse als sozialistische Revolution in der Tradition von 1917 werten, betonen insbesondere die Rolle der Arbeiterräte und gehen davon aus, dass das Ziel der Revolution die Errichtung einer kommunistischen Gesellschaft gewesen sei, während konservative Analysen den antikommunistischen Freiheitskampf als Ziel identifizieren. Hier spielt auch der nationale Aspekt eine starke Rolle: der Oktober 1956 wird in die Geschichte des christlich-ungarischen Kampfes gegen Fremdherrschaft eingefügt, während die Bezeichnung Revolution vermieden wird. Für die Durchsetzung eines solchen Geschichtsbildes hat sich insbesondere die – derzeit in Opposition befindliche – rechte Fidesz Partei unter Viktor Orbán stark gemacht. An diese nationalistische Deutung sind auch rechtsextreme Interpretationen, wie sie sich in den gewalttätigen Straßenunruhen anlässlich des 50. Jahrestags äußerten, anschlussfähig.
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Ausstellungstipp
Bis 1. April 2007: "Panzerlärm an Österreichs Grenze…“, Heeresgeschichtliches Museum (Arsenal 1030 Wien)
Stefanie Mayer
(Last Update 11/2006)

