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Bild der Woche

Ausgehend von der enormen Bedeutung visueller Medien in der modernen Informationsgesellschaft hat sich in den letzten Jahren auch in der Politik- und Kommunikationswissenschaft die Erkenntnis durchgesetzt, dass gesellschaftsrelevante Forschung nicht auf die Analyse struktureller Gesetzmäßigkeiten in der Bildkommunikation verzichten kann.

Im Rahmen des Forschungsprojektes Politische Bildstrategien. Wahlplakate zu den Nationalratswahlen der Zweiten Republik hat das Demokratiezentrum Wien diesem Umstand Rechnung getragen und das Wahlplakat als zentrale zeitgeschichtliche Quelle untersucht. Analysiert wurden im Rahmen des Projekts rund 1150 Wahlplakate (vorwiegend Bildplakate) der zwischen 1945 und 2002 kandidierenden Parteien, wobei ein Schwerpunkt in der Arbeit auf die Imagepolitik der Parteien – sowohl was die Selbst- als auch Fremddarstellung betrifft – verbunden mit der eingesetzten Symbolik und den zur Anwendung gekommenen Kommunikationsstrategien gelegt wurde.

Mit einem Themenmodul zu den Wahlen zum Europäischen Parlament, in dem die (Plakat-) Wahlkämpfe in alten und neuen Mitgliedsstaaten analysiert werden, setzt das Demokratiezentrum Wien diesen Bildschwerpunkt fort.

Im Rahmen der Aktion Bild der Woche haben wir im Anschluss an die Aktion Bild des Tages von 8. Mai bis 31. Dezember 2006 Woche für Woche ein Bild aus den Modulen Politische Bildstrategien und Europawahlen vorgestellt. Die Bilder wurden mit ausführlichen Bildbeschreibungen und historischem Kontextwissen online gebracht und sollen dazu beitragen, die historische Quelle Wahlplakat "lesbar" zu machen.




Bild 33
Woche 33 (18. - 24. Dezember 2006): Folge dem Beispiel der Welt

Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 25. November 1945
Quelle: Wiener Stadt- und Landesbibliothek, Plakatsammlung

Der Kampf um die Verbesserung der Situation der ArbeiterInnen wurde seit Beginn der Arbeiterbewegung als eine Grenzen überschreitende Aufgabe gesehen. Ausdruck hiervor ist etwa die Gründung der Sozialistischen Internationen als weltweiter Zusammenschluss von sozialistischen, sozialdemokratischen und Arbeiterparteien noch im 19. Jahrhundert sowie zahlreiche grenzüberschreitenden Zusammenkünfte, Initiativen und Programme in der Geschichte der Arbeiterbewegung. Die SPÖ knüpfte 1945 bewusst an diese Tradition an und stellte sich wieder in diesen international Kontext, indem sie die WählerInnen nicht nur aufforderte, dem Beispiel Europas (vgl. hierzu das Plakat Baut mit den freien Völkern), sondern jenem der Welt zu folgen.

Zur Nationalratswahl vom 25. November 1945:

Bei den ersten freien Nationalratswahlen nach dem Ende des austrofaschistischen und nationalsozialistischen Regimes kandidierten mit Zustimmung der Alliierten vier Parteien: ÖVP, SPÖ, KPÖ und die Demokratische Partei Österreichs. Durchgeführt wurden die Wahlen vom 25. November 1945 aufgrund eines eigenen Wahlgesetzes, das ehemalige NationalsozialistInnen oder Mitglieder der NS-Wehrverbände – insgesamt rund 500.000 Personen – vom Wahlrecht ausschloss. Das Wahlergebnis, das vorwiegend von den Frauen bestimmt war – sie stellten mit rund 63% die Mehrheit der WählerInnen – machte die ÖVP zur stimmenstärksten Partei; die KPÖ schnitt deutlich schlechter ab, als sie es erwartet bzw. Teile der österreichischen Bevölkerung und der westlichen Alliierten befürchtet hatten.

Konkret verteilten sich die abgegebenen Stimmen folgendermaßen auf die kandidierenden Parteien: die ÖVP erreichte 1,602.227 oder 49,8% der abgegebenen Stimmen, die SPÖ erreichte 1,434.898 oder 44,6% der abgegebenen Stimmen, die KPÖ 174.257 oder 5,4% der abgegebenen Stimmen, die Demokratische Partei Österreichs 5.972 oder 0,2% der abgegebenen Stimmen.

Den Einzug in den Nationalrat schafften ÖVP (85 Mandate), SPÖ (76 Mandate) und KPÖ (4 Mandate), die eine Konzentrationsregierung bildeten, um die drängenden Probleme – Wiederaufbau von Wirtschaft, Demokratie, Verwaltung – zu lösen. Gleichzeitig bildete die alliierte Besatzung und das Streben um eine staatliche Souveränität ein starkes Motiv für die Zusammenarbeit. Politisch entscheidend war aber auch eine prinzipielle Konsensbereitschaft der Parteieliten, die auf die Entwicklung der Ersten Republik zurückzuführen war. "Nie wieder Bürgerkrieg" war eine Lektion, die von allen gelernt worden war. Ihr Ende fand die Konzentrationsregierung mit dem Ausscheiden des kommunistischen Ministers Karl Altmann im November 1947, worauf SPÖ und ÖVP eine große Koalition bildeten.

Gallery
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Bilder der Woche.
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Politische Bildstrategien
Wahlplakate 1945-2002
Europwahlen
EU-Wahlkampf 2004 in alten und neuen Mitgliedsstaaten

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