Bild des Tages
Moderne Demokratien sind Mediendemokratien, in denen der Bildkommunikation – handelt es sich nun um bewegte oder unbewegte Bilder – eine enorme politische und gesellschaftliche Bedeutung zukommt.
Im Rahmen der Aktion Bild des Tages wurde von 16. April bis 5. Mai 2006 täglich ein Bild aus dem Bildatlas EUropa – versehen mit einem ausführlichen Bildtext und Hintergrundinformationen – vorgestellt. Insgesamt wurden 15 repräsentative Europabilder bzw. Bilder Europas aus unserem täglichen "visuellen Surrounding" online gebracht.
Die Aktion Bild des Tages wurde im Rahmen der Aktionstage Politische Bildung 2006 durchgeführt.
→ Hier finden Sie unsere Gallery, die wir im Rahmen der Aktion aufgebaut haben.
→ Beitrag von Gertraud Diendorfer zur Aktion für www.science.orf.at
EU-Präsidentschaft 2006

Logo der österreichischen Präsidentschaft im ersten Halbjahr 2006.
Quelle: http://www.eu2006.at Rem Koolhaas
Bildanalyse
Nur mehr das Länderkürzel ".at" erinnert unterhalb des Barcodes an die nationale Konnotation. Der niederländische Designer und Architekt Rem Koolhaas und sein Team in der Denkfabrik AMO haben diese Visualisierung Europas, die ursprünglich 15 Nationalfarben enthielt und 2004 auf 25 erweitert wurde, bereits 2001 zu entwickeln begonnen. Während in den bisherigen 262 EU-Ratslogos "das Europäische" mit den 12 fixen Sternen der europäischen Flagge symbolisiert wurde, ist diese moderne und bisher nicht offiziell gebrauchte Visualisierung Europas ständig erweiterbar.
In der Rezeption dieser Visualisierung von Kohlhaas wird aber auch die Stärke der nationalen Identitäten symbolisiert – etwas was der politischen Zielsetzung der gegenwärtigen Bundesregierung in Österreich durchaus entspricht und letztlich an De Gaulles "Europa der Vaterländer" aus den 1960er Jahren erinnert.
In diesem Sinn wird dieses Logo auch gelesen – seine symbolische Aussage lautet: "Europa ist Buntheit und Vielfalt". Supranationalität strahlt dieser symbolische Zugang zum "Europäischen" nicht aus.
In der Umsetzung ist allerdings dann doch ein "Schönheitsfehler" passiert, da die Farben der Flagge von Estland in der falschen Reihenfolge (schwarz – blau – weiß statt blau – schwarz – weiß) konzipiert wurden . Der Fehler führte nur zu unbedeutenden diplomatischen Wendungen, wobei nach österreichischer Sprachregelung der Künstler "schuld" war. Tatsächlich ist aber in der Europa-Flagge des AMO-Büros in Rotterdam die Reihenfolge noch richtig. Bemerkenswert an dieser eher skurrilen Debatte ist, dass scheinbar der europäische Barcode letztlich doch mehr Gemeinsames ausdrückt als nur eine Aneinanderreihung der Nationalfarben.

