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Plakat der Stadt Wien, affichiert in Wien im Oktober 2000. In Reaktion auf die Wahlslogans der FPÖ 1991 und 1996 ("Wien darf nicht Chicago werden!") plakatierte die Stadt Wien 2000 "Nix Chicago. Wien ist eine der sichersten Metropolen der Welt!". In einem Nachsatz hieß es: "Chicago ist sicher. Aber warum Wien sicherer ist, erfahren sie unter www.wien.at".
Quelle: Wienbibliothek im Rathaus (vormals Wiener Stadt- und Landesbibliothek), Plakatsammlung

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Kriminalitätsraten im Vergleich

Fast überflüssig erscheint der Hinweis, dass die FPÖ-Parole gleich zweifach falsch Zeugnis ablegte: Wien ist – nach allen Ergebnissen der statistisch erfassbaren Kriminalität – tatsächlich eine relativ sichere Stadt, die von den Kriminalitätsziffern amerikanischer Großstädte weit entfernt bleibt. Chicago weist zweifellos wie nahezu alle amerikanischen Großstädte – aufgrund der vielen Besonderheiten in der sozialen Schichtung, der eher schwachen sozialpolitischen Tradition und der laxen Waffengesetze – eine durchwegs höhere Kriminalitätsrate als europäische Großstädte auf. Gleichwohl nimmt Chicago keineswegs einen Spitzenplatz der Kriminalitätsstatistik ein. Die in der europäischen Wahrnehmung gelegentlich – und nicht nur in der FPÖ Wien – anzutreffende Gleichsetzung von Chicago und Kriminalität verdankt sich nicht der gegenwärtigen Situation der Stadt, sondern eher historischen Reminiszenzen aus den Jahren der Prohibitionszeit zwischen 1920 und 1933, als Chicago eines der Zentren der um den illegalen Alkoholhandel herum entstandenen organisierten Kriminalität (Al Capone etc.) gewesen war. Natürlich wird dieses historische Chicago vor allem durch die amerikanische Filmindustrie und ihre Dominanz auch in Europa "am Leben" erhalten – wohl deshalb ist das Image Chicagos als Inbegriff der Kriminalität ebenso stabil wie übertrieben.

"Nix Chicago – Wien ist eine der sichersten Metropolen der Welt!"

Also viel Lärm um nichts? Das Zerrbild einer außer Kontrolle geratenen Kriminalität, das die FPÖ in ihrer Kampagne hervorrief, war in der Wiederholung während des Gemeinderats-Wahlkampfes 1996 durchaus spektakulär und blieb nicht ohne Echo: Die Stadt Wien ließ sich auf die Analogiebildung ein und konterte mit Plakaten, die die Aufschrift trugen: "Nix Chicago! Wien ist eine der sichersten Metropolen der Welt!" Und Kunde von dieser Kampagne drang sogar bis nach Chicago; die dreiste Nutzung eines ganz bestimmten Images von Chicago löste dort Zorn aus: Bürgermeister Richard M. Daley, stets sorgsam über das öffentliche Erscheinungsbild Chicagos wachend und sehr empfindlich, veranlasste einen Protest des amerikanischen Botschafters in Wien.

Aber noch in einer anderen Stadt nahm man Notiz vom Spektakel in Wien. In der "Berliner Zeitung" schrieb ein Journalist im Oktober 1996 ironisch: "Wien will nicht Chicago werden. Das tut uns leid für Wien. Chicago ist eine der modernsten, nobelsten und sichersten Städte der Welt." Zugleich aber vermerkte der Journalist, dass in Wien längst auch schon eine andere Maxime ausgegeben sei – die Wiener Kulturstadträtin Ursula Pasterk lasse keine Gelegenheit aus, unter Hinweis auf die massiven finanziellen Kürzungen im Berliner Kulturetat "Berliner Verhältnisse" für Wien auszuschließen: "Wien darf nicht Berlin werden".

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