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Krise - Aufstand - Revolution?

Umkämpfte Geschichte: Ungarn 1956

Einweihung des Monuments für die Revolution vom Oktober 1956 in Budapest im Jahr 2006
Quelle: www.19562006.hu

Während im Oktober 2006 weltweit der Ereignisse von 1956 in Ungarn gedacht wurde, gingen in Budapest die Wogen hoch: Wütende DemonstrantInnen – darunter auch viele RechtsextremistInnen – lieferten sich am 23. Oktober stundenlange Straßenschlachten mit der Polizei. Bereits Mitte September war es zu heftigen Auseinandersetzungen auf Budapests Straßen gekommen, nachdem eine parteiintern gehaltene Rede von Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány (MSzP, Sozialistische Partei Ungarns) bekannt geworden war, in der er zugegeben hatte, dass es seiner Regierung in den letzten Jahren nicht gelungen war die drängende Probleme des Landes zu lösen1, und dass die Bevölkerung belogen worden war.

Die Eskalation in den Straßen am 23. Oktober war allerdings auch ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Polarisierung im politischen Spektrum, sich nicht nur an konkreten politischen Maßnahmen im Wirtschafts- und Sozialbereich entzündet: Vielmehr wurde hier (auch) eine Auseinandersetzung um die Deutungshoheit über die ungarische Geschichte geführt, für die der 23. Oktober 1956 ein zentrales Datum darstellt. In solchen Auseinandersetzungen wird deutlich, dass Geschichte – und in besonderem Maße Nationalgeschichte – nicht von der Vergangenheit, sondern von der Gegenwart und gewünschten Zukunft her bestimmt wird. Geschichtsdeutungen stehen in unmittelbarer Beziehung zu aktuellen politischen Interessen und Ideologien, die aus der Vielfalt möglicher Deutungen von historischen Ereignissen jene auswählen, mittels derer die eigene Position legitimiert werden können.

Nach dem Ende des kommunistischen Regimes, das seine Macht über die Deutung der ungarischen Geschichte mit Repression und Gewalt aufrecht erhielt, hat bislang keine politische Gruppierung in Ungarn eine hegemoniale Deutung der historischen Entwicklungen (insbesondere der jüngeren Geschichte des Landes) durchsetzen können. Das gilt auch für die Ereignisse des Oktober 1956, wo sich die unterschiedlichen Sichtweisen, schon in der Benennung widerspiegeln: Ob jemand von Revolte, Volksaufstand oder Revolution spricht, ist ein erster Hinweis auf den jeweiligen Blickwinkel auf jenes Ereignis, dass unter dem kommunistischen Regime als Konterrevolution galt.

Die Ereignisse vom Oktober 1956 erfassten in der einen oder anderen Form die ganze ungarische Bevölkerung – die Landwirte ebenso wie die ArbeiterInnen, die Intellektuellen und die Parteiopposition ebenso wie die StudentInnen. Gruppen mit unterschiedlichen Interessen und Menschen mit verschiedenen – zum Teil entgegen gesetzten – politischen Standpunkten fanden sich in dieser Situation im Aufstand vereint. Das macht es schwierig die Geschichte des ungarischen Revolutionsversuchs zu erzählen, doch einige Eckpunkte jener Entwicklungen die zum 23. Oktober führten, lassen sich festhalten.

1 Ungarn, das lange als Musterbeispiel für eine erfolgreiche Transformation kommunistischer in kapitalistische Wirtschaftsstrukturen galt, ist mittlerweile mit einem Budgetdefizit von über 10 Prozent des BIP Schlusslicht innerhalb der EU 25. (vgl. Profil 46/2006, Der Standard 11.10.2006)

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Ausführliche Timeline
Webtipps
Offizielle ungarische Website
anlässlich des 50. Jahrestages (großteils in ungarischer Sprache)

"Ungarn 1956 - Geschichte und Erinnerung"
Umfangreiches deutschsprachiges Internetportal

The Institute for the History of the 1956 Hungarian Revolution
Budapest

Online-Ausstellung
der Österreichischen Mediathek

"Krisenjahr 1956"
Aus Politik und Zeitgeschichte 17-18/2006

Die ungarische Revolution 1956: Kontext - Wirkung - Mythos
Tagungsbericht, Berlin
Aktuelle Literatur
Ahamer, Vera Sophie: Ungarn 1956.­ Ein historisches Ereignis als politischese Legitimationsinstrument. In: zeitgeschichte 3/2006.
Kurzinformation auf HSozKult
Rainer, János M.: Imre Nagy. Vom Parteisoldaten zum Märtyrer des ungarischen Volksaufstandes. Eine politische Biographie 1896-1958. Paderborn: Ferdinand Schöningh Verlag 2006.
Rezension auf HSozKult

http:// www.demokratiezentrum.org /5f7c401be9a187d89a5133a69d853951/de/startseite/themen/demokratiedebatten/ungarn_1956/krise_-_aufstand_-_revolution_.html

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